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Helmut Rizy: Exil | Front | Widerstand

Ein aufregender Essay fragt nicht lange und reißt den Leser mit kurzen Denkbewegungen Oktopus-mäßig in den Schlund des Nachdenkens.

Helmut Rizy kümmert sich um diese Haltungsfronten, die schon immer quer durch den österreichischen Charakter gegangen sind. Wer ist literarisch gesehen im Exil, wer an der Front und wer denkt gar an Widerstand?

S. J. Kincaid, Diabolic

„Alle glaubten sie, Diabolics seien furchtlose Kreaturen, doch in meinen ersten Jahren kannte ich nichts als Angst. Die Angst hatte mich auch an jenem Morgen fest im Griff, als die Impyreaner mich in den Gehegen besichtigten.“ (9)

In einer entfernten Zukunft, in der interstellare Raumreisen zum Alltag gehören, besteht zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten eine strenge Hierarchie. Die Grandyloquay, die Aristokratie und Mächtigen, lassen sich eigene menschenähnliche Wesen züchten, die ihnen im Alltag zu Diensten sind. Nemesis ist eine siebzehnjährige Diabolic, die als tödliche Kampfmaschine gezüchtet wurde, die allein ihrer Herrin dienen soll, auf die sie mit Hilfe elektrischer Stimulation geprägt wird.

Dine Petrik, Funken. Klagen

In der Lyrik ist nichts selbstverständlich, wenn man glaubt, eine Fügung würde etwas genau beschreiben, so liegt daneben eine noch genauere, die es noch genauer sagt.

Dine Petrik arbeitet in einem doppelten Veredelungsprozess. Zuerst wird der Stoff poetisiert, und dort, wo scheinbar schon die Gedichte fertig sind, kommen sie noch einmal ins Galvanisierungs-Bad und erhalten eine Zeit-feste Außenhaut. Wo man bereits mit Funken schlagen in die Gewissheit gelenkt wird, kommt eine neue Perspektive hinzu, der Titel der Gedichtsammlung heißt folglich richtig „Funken.

Katarzyna Bajerowicz, Schau, was machen die Bienen?

„Die Obstbäume und Sträucher stehen in voller Blüte und die Bienen summen fleißig in den Baumkronen umher. Dank ihrer mühevollen Arbeit werden schon bald Äpfel, Kirschen, Birnen und Pflaumen heranreifen. Goldgelb leuchtet der Löwenzahn, aus ihm werden die Bienen Hönig machen.“

Die Biene ist für unser Ökosystem, für die Bestäubung der Pflanzenwelt von zentraler Bedeutung und hat damit auch einen wesentlichen Einfluss auf das Leben des Menschen. Albert Einstein soll im Jahr 1949 einmal gesagt haben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“

Annett Krendlesberger, Doch

Oft sind es diese kleinen selbstbewussten Widerspruchswörter, die in einer Erzählung als strukturierte Alternativen hervortreten. Das Wörtchen „doch“ erinnert im besten Fall an ein dynamisches Kind, welches in den Boden stampft und „doch“ schreit, um ein Begehren vorzutragen.

In Annett Krendlesbergers knapp zwanzig Erzählungen treten Heldinnen und Helden auf, die an die Peripherie der öffentlichen Wahrnehmung gerückt sind und einmal noch kurz so etwas wie einen eigenen Willen kundtun, um den letzten Rest einer eigenen Identität zu dokumentieren. Dabei gerät dieses Aufbegehren manchmal in die Nähe einer Marotte, die erst recht wieder ohne Aufmerksamkeit weggewischt wird.

Katja Brandis, Woodwalkers - Carags Verwandlung

„Zwei Jahre später, mit elf, entschied ich mich. Aber nicht so, wie meine Familie das gerne gehabt hätte. Ich will zu den Menschen und so leben wie sie, verkündete ich eines Morgens, nachdem wir uns den Tau aus dem Fell geschleckt hatten. Carag hat es in den Kopf geregnet, zog Mia mich auf und verpasste mir einen Hieb mit eingezogenen Krallen.“ (16)

Carag lebt als Puma mit seinen Eltern und seiner Schwester in den Wäldern der Rocky Mountains. Sie sind Woodwalker, Gestaltwandler, die sich in eine menschliche Gestalt verwandeln können. Während Carags Eltern die Menschen fürchten und ihren Umgang meiden, fühlt sich Carag von einem Leben als Mensch magisch angezogen. Als er beschließt sein weiteres Leben in Menschengestalt zu verbringen, wendet sich seine Familie von ihm ab.

Gabriele Kögl, Höllenkinder

Nach einer recht einleuchtenden Vorstellung besteht der Sinn des Lebens im ständigen Erzählen dieses Lebens. Wenn alles fertig ist, setzt das Leben von sich aus den Schlusspunkt.

Gabriele Kögl wählt für ihre monologische Erzählung „Höllenkinder“ eine Bäuerin als Heldin, die anlässlich des achtzigsten Geburtstags ihr Leben abarbeitet. Die Feierlichkeiten sind eine Bedrohung des geordneten Lebens, denn feiernde Angehörige und Jubiläumskind sind völlig überfordert. Es wird der übliche Tamtam aufgeboten, Essen, kleine Basteleien, Fotos, Floskeln, niemand fühlt sich so recht wohl in seiner Haut, weil es keine verlässlichen Rituale gibt, die so einen Geburtstag als Lebensbilanz erträglich machen könnten.

Paolo Friz, Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis

„»Das ist wirklich sehr ungerecht. Ich will euch helfen.« Die halbe Nacht lag der Weise wach. Gegen Morgen fiel ihm ein, dass der Kaiser Brettspiele liebte. »Das ist es!«, sagte er zu seiner Nichte. »Wir werden ihm das spannendste und schönste Spiel schnitzen, das es je gegeben hat. Der Kaiser ist die wichtigste Figur im Spiel.«“

Der Erfindung des Schachspiel wird mit einer Legende verbunden, die sowohl als Gleichnis für die wichtige Bedeutung der einzelnen Teile steht als auch Anekdote für Gerechtigkeit und die Magie der Mathematik. Während die ursprüngliche Legende in Indien anzusiedeln ist, verlegt Paolo Friz die Geschichte in die chinesische Kaiserzeit.

Julia Kissina, Elephantinas Moskauer Jahre

In den Nachfolgestaaten der Sowjetunion werden die letzten Jahre des Imperiums als „Moskauer Jahre“ bezeichnet, damit kann man zeitgenössisch präzise sein und dennoch die Gefühlsdistanz zur alten Mutter Hammer-Sichel kundtun.

Julia Kissina schickt ihre Heldin Elephantina als angehende Künstlerin von Kiew in die Hauptstadt Moskau, wo sich im halboffiziösen Untergrund eine geradezu phantastische Künstlerszene entwickelt hat. Elephantina klingt ja selbst schon wie eine Heldin aus einer angerauchten Gegend, ihr Geliebter ist Tomaterich. So wie sich die Helden der Revolution Künstlernamen wie Lenin oder Stalin gegeben haben, benützen jetzt auch die Künstler ihre Kampfnamen der Phantasie.

Bernd Penners, Gute Nacht, wünscht die Eule

„Gleich ist es dunkle Nacht im Wald, die müden Tiere schlafen bald. Die kleine Eule aber, ach, sie schlief am Tag – nun ist sie wach! Und plötzlich fliegt sie los, gib acht, wünscht allen Tieren: »Gute Nacht!«“

Wenn es Nacht wird im Wald, die Tiere müde werden und sich langsam zur Nachtruhe begeben, dann erwacht die kleine Eule. Alle Tiere, und ganz besonders die zahlreichen Tierkinder, warten schon auf sie schon und ihren nächtlichen Gruß zur Guten Nacht.

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