Bücher | Medien nach Erscheinungsdatum

Amina Abdulkadir, Alles, nichts und beides

Alles, nichts und beides sind radikale Mengenangaben, wo es keinen Nachlass oder Rabatt gibt. Alles, nichts und beides ist eine Überlebensformel, die für alle wesentlichen Themen in Frage kommt: Liebe, Tod, Bleiben, Weggehen.

Amina Abdulkadir nennt die Anwendung ihrer Lebensformel Kürzestgeschichten, denn sie sind das radikalste Narrativ, das es für eine Ausnahmesituation gibt. Diese Geschichten haben oft die Gestalt eines Stachels und werden dem anwesenden Fleisch eingerammt als Mahnmal, Gedächtnisstütze oder Erinnerungs-Pikser.

D. D. Everest, Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte

„Auf dem Dach der Bodleian Bibliothek in Oxford hockte ein Rabe, so still, dass man hätte meinen können, er wäre aus Stein gemeißelt. Seine harten schwarzen Augen beobachteten einen Jungen, der unter ihm vorbeilief. Der Name des Jungen war Archie Greene.“ (16)

Keiner der normalen Menschen ahnt, dass sich mitten unter ihnen eine Welt der Magier befindet, die alles tut, um von den sogenannten „Unreifen“ unentdeckt zu bleiben. Seit dem großen Brand in London im Jahre 1666, bei dem die halbe Stadt durch ein waghalsiges magisches Experiment den Flammen zum Opfer gefallen war, wurde die Ausübung von Magie unter strenge Regeln gestellt, die in magischen Kreisen als die „Lehre von den Magischen Tabus“ bekannt ist. Diese untersagt u.a. den Gebrauch von Magie außerhalb magischer Räumlichkeiten.

Christian Futscher, Was mir die Erdmännchen erzählen

Hinweise auf künstlerischen Umgang mit Tieren, lassen immer auch heftige Fragen aufkommen: Ist dem Tier auch nichts geschehen, das im Film zu Tode gekommen ist? Ist das Tier auch vegan, das vor der Heldin auf dem Bühnen-Teller liegt? Ist der Sex auch jugendfrei, den der Maler zu Ausstellungszwecken mit einem Tier bewerkstelligen will?

Christian Futscher luchst seine besten Geschichten den Tieren ab, darin gleicht er einem Heiligen, der die Vögel auf den Schultern landen lässt, damit sie vorne singen und hinten das Gewand voll machen. Die besten Pointen liefern angeblich die Erdmännchen, weil ihre Geschichten bodenfest und geerdet sind. Der Untertitel ist quasi eine Warnung, es handelt sich um Texte mit Tieren. Wer Tiere nicht mag, wird auch mit den Tier-Texten nichts anfangen können.

Isabelle Maquoy, Mela, die kleine Biene

„Oben am Waldrand steht ein Bienenstock. Tief drinnen, wo es ganz dunkel ist, lebt eine kleine Biene. Sie heißt Mela. Sie ist noch zu jung, um den summenden Bienenstock zu verlassen.“

Mela ist eine kleine junge Biene, die es nicht erwarten kann, endlich aus dem Bienenstock zu kommen, um die aufregende Welt und den blauen Himmel zu sehen, von denen ihre großen Schwestern immer schwärmen, wenn sie von ihren Flügen in den Bienenstock zurückkehren. Gerade als Mela wieder vom Himmel und der Sonne träumt, beginnt es im Stock gefährlich zu wackeln.

Harald Darer, Schnitzeltragödie

Wenn es mit dem „Schnitzal“ Probleme mehliger, bröseliger oder eiiger Art gibt, wird das in Österreich bald einmal zu einem Problem und kann in eine Tragödie münden.

Harald Darer nennt seinen Roman patriotisch-kühn „Schnitzteltragödie“, dabei gibt es auch Probleme mit dem Leberkäs, den Forellen und den Krusten allgemein. Man ahnt es schon, in diesem Roman hat ein österreichischer Alltagsheld ordentlich zu leiden, bis er gegen Abend hin mit dem Alltag durch ist.

Jakob Wegelius, Sally Jones - Mord ohne Leiche

„Ich werde die Wahrheit aufschreiben. Die Wahrheit über den Mord an Alphonse Morro. Damit alle erfahren, was wirklich passiert ist. Und vielleicht wird das Schreiben mir helfen, mich von meinen Albträumen zu befreien.“ (33)

Sally Jones erzählt ihre unglaubliche Geschichte die von Mord, Betrug und Verrat aber auch von Freundschaft und Liebe, von Vertrauen und Treue und von einer Reise, die um die halbe Welt führt, handelt. Aber das außergewöhnlichste an der Geschichte ist wohl Sally Jones selbst, bei der es sich um eine Gorilladame handelt, die das Lesen, Schreiben, Schachspielen und vieles mehr beherrscht und außerdem Akkordeons reparieren und als Maschinistin auf Schiffen arbeiten kann.

Sofia Andruchowytsch, Der Papierjunge

Es gibt Tausende Gründe, einen zeitgenössischen Roman zu lesen, einer könnte sein, dass man herausfinden möchte, wie in einem vom Bürgerkrieg bedrohten europäischen Land die junge Intelligenz tickt und welchen Themen sie sich zuwendet.

Sofia Andruchowytsch gilt als ukrainischer Shooting Star der Literaturszene und hat als Tochter des berühmten Jurij Andruchowytsch vermutlich jede Menge Bonus und Malus auszuhalten. Interessant ist jedenfalls, wovon eine Autorin mitten in einer wild gewordenen Welt schreibt: Vom Leben eines Dienstmädchens im galizischen Stanislau des Jahres 1900!

Marco Kunst, Herr der Zeiten

„»Du, Pink, da ist dein Stalker wieder!« »Das ist nicht mein Stalker!«, zischte sie. Aber Dewi hatte recht, dieser Junge stand wieder da. Sein Blick irrte über den Schulhof und landete immer wieder bei ihr. Er verhielt sich unauffällig, aber Pink war sich sicher: Er kam ihretwegen.“ (15)

Die 16-jährige Pink wird von allen Mitschülerinnen und Mitschülern bewundert und beneidet während der verschwiegene Außenseiter Bor darunter leidet, nirgends dazu zu gehören. Beide bemerken auf dem Schulhof einen außergewöhnlichen Jugendlichen, von dem sie sich auf magische Weise angezogen und verunsichert zugleich fühlen. Sie ahnen nicht, dass er seit nunmehr 350 Jahren am Leben ist und sie beide ausgewählt hat, um einen entscheidenden Kampf zu bestehen.

Andrzej Stasiuk, Der Osten

Der Osten ist nicht nur eine Himmelsrichtung sondern auch ein Lebensgefühl, eine Farbe des Unterbewusstseins oder eine permanente Wetterlage.

Andrzej Stasiuk, der Fachmann für Peripherie, devastierte Ländereien und aufgelassene Soziotope, kümmert sich in seinem historisch-poetischen Roman um jenen vagen Osten, der durch Geschichten plötzlich erzähl- und begreifbar wird. Der Ich-Erzähler erarbeitet sich den Osten in drei „Stoßrichtungen“, wie das Wehrmachtswort für den Nazikrieg im Osten heißt.

Friederike Schwab, Geburtstag mit Magritte

Um ein großes Bild zu begreifen, muss man vielleicht einen passenden Roman dazu lesen. Wenn es diesen Roman noch nicht gibt, muss man ihn schreiben.

Friederike Schwab erzählt im Roman „Geburtstag mit Magritte“ von der Heilkraft eines Bildes, das eine komplette Lebensverstörung überwinden hilft. Dabei geht es um zwei künstlerisch ambitionierte Familien in Amsterdam und Wien, die jeweils einen aufgeschlossen rationalen Lebensstil pflegen.

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