Bücher | Medien nach Erscheinungsdatum

Timo Parvela, Ella und die 12 Heldentaten

„Ich heiße Ella. Ich gehe immer nur in die zweite Klasse, aber das macht nichts, weil wir einen sehr netten Lehrer haben und eine unheimlich nette Klasse sind. Oder jedenfalls waren wir’s. In letzter Zeit ist es nämlich ein bisschen weniger nett bei uns.“ (5)

Dass die Stimmung in der Klasse im Augenblick nicht so gut ist, liegt daran, dass Mika zurzeit ganz besonders schmollt. Mika ist nämlich der größte Batman-Fan der Welt und steht vor einem großen Problem. „Es gibt ein geheimes Batman-Treffen, und meine Mutter lässt mich nicht hin“. (5)

Waltraud Mittich, Micòl

Eine besonders professionelle Form einer Roman-Struktur besteht im Nacherzählen, Umschreiben und persönlichen Infiltrieren eines anerkannten Textes. 1962 ist der Roman „Die Gärten der Finzi Contini“ von Giorgio Bassani erschienen, 1975 kommt die Verfilmung durch Vittorio De Sica.

Buch und Film fesseln Waltraud Mittich sofort und lassen sie ein Leben lang nicht mehr los. Jetzt hat sie eine Figur der Gartenszenerie, nämlich das überlebende jüdische Mädchen Micòl, mit einem anderen Schicksal versehen und sie als kämpfende, selbstbewusste Frau durch das Nachkriegseuropa geschickt.

Dorling Kindersley, Was geschah wann?

„Seit die ersten Menschen vor 2,5 Millionen Jahren erschienen, ist viel passiert. Die Menschen lebten Tausende von Jahren als Jäger und Sammler, die ihre Zeit mit der Suche nach Essen und dem Schutz vor wilden Tieren verbrachten.“ (6)

„Was geschah wann“ behandelt in vier Kapiteln Weltgeschichte vom Auftreten der ersten Menschen in Afrika bis zur Antike, vom Mittelalter bis zur Neuzeit und schließt zeitlich im 21. Jahrhundert mit dem Siegeszug des Internets und dem Aufstieg Chinas ab.

Michael Krüger, Himmelfarb

Scheinbar unverfängliche Themen machen explosionsartig auf und zeigen eine Riesenwunde der Zeitgeschichte, wenn man sie mit vorsichtigem Erzählbesteck serviert.

Michael Krüger hat es im Laufe seines literarischen Wirkens immer wieder zu erzählerischen Tretminen hinan gezogen, in deren Nähe höchste Explosionsgefahr besteht. Eines dieser Kapitel nennt sich deutsche Völkerkunde in Brasilien. Deutsche Ethnologen sind meist in den Dschungel gegangen, um etwas zu vertuschen, und haben bei ihrer Rückkehr in die Zivilisation von erfreulichen Forschungsergebnissen gesprochen.

Torben Kuhlmann, Armstrong

„Eine kleine Pfote drehte an den Rädchen eines riesigen Teleskops. Ein winziges graues Fellknäuel spähte durch das eiserne Rohr voller gläserner Linsen. Nun war das Bild des Sternenhimmels ganz klar. »Unglaublich!«, murmelte die kleine Maus.“

Die kleine Maus ist ganz begeistert von den Sternen. Am meisten fasziniert sie jedoch der Mond mit seinen Mondphasen. Bei seinen Beobachtungen stellt er fest, dass der Mond eine riesige Kugel aus Stein ist, die von der Sonne beleuchtet wird. Das widerspricht aber ganz und gar den Wunschvorstellungen der anderen Mäuse. Für sie besteht der Mond aus Käse, womit sich seine runde Form und seine Löcher erklären. Doch dann erhält die kleine Maus einen Brief aus dem Smithsonian Institut in Washington, auf dem steht: „Du hast Recht! Komm mich besuchen.“

Reinhard Kocznar, Machtblind

Viele Kriminalfälle entstehen ja dadurch, dass die Wortwahl oft völlig divergierende Deutungen eines Sachverhaltes zulässt. Machtblind kann heißen, dass jemand wegen seiner Macht blind wird, oder aber, dass jemand gegenüber der Macht blind wird.

Reinhard Kocznar wählt zwar die Form des Kriminalromans, damit alles wenigstens halbwegs eine Ordnung hat, in Wirklichkeit aber beschreibt er das diffuse Treiben rund um mysteriöse Geschäfte, wo alles unsicher ist und nur Wörter wie Knarre oder Kohle Stabilität verheißen. „Er haute ab, als die Knarre sprach.“ (126)

Stephanie Tromly, Digby

„Digby marschierte auf die Sprechstundenhilfe zu. »Guten Tag. Meine Freundin und ich wollen Sex haben und möchten uns bei Dr. Schell über Verhütungsmethoden informieren.« Ich wäre fast gestorben. Der Blick der Sprechstundenhilfe erinnerte mich an den meiner Oma, als sie ihren Nachbarn einen Schmutzfink genannt hatte, weil er in ihre Hortensien gepinkelt hatte.“ (40)

Die sechzehnjährige Zoe Webster zieht nach der Scheidung ihrer Eltern mit ihrer Mutter von Brooklyn in den New Yorker Vorort River Hights, wo vor einiger Zeit das Verschwinden der Highschool Schülerin Marina Jane Miller für Aufsehen gesorgt hat. Zoe fühlt sich zunächst an der River Hights Higschool ziemlich verloren und hat Schwierigkeiten Anschluss zu finden, bis plötzlich der gleichaltrige Philip Digby auftaucht und sie mit seinen detektivischen Nachforschungen und verrückten Ideen aus ihrer Bahn wirft.

Ingelore Ebberfeld, Der sexuelle Supergau

„Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass Sexuelles überall präsent ist, dass wir gelernt haben, es zu übersehen. Ironischerweise sei Pornographie durch die blanke Allgegenwart praktisch unsichtbar geworden, schreibt die Soziologin Gail Dines. Recht hat sie. Gleiches gilt allemal für das Sexuelle, das uns täglich rund um die Uhr begegnet.“ (8)

Wie stark sich das Sexuelle im letzten Jahrzehnt in der Erlebniswelt unseres Alltags ausbreiten konnte, macht Ingelore Ebbersfeld an zahlreichen Bereichen des öffentlichen Lebens anschaulich, sei es in der Fernseh-, Kino- oder Musikwelt, sei es auf der Theaterbühne oder auf Fotos. Aber auch die Vorstellungen vom eigenen Körper sowie von der Normalität sexueller Praktiken haben sich im Laufe der Jahre massiv geändert. All das hat massive gesellschaftliche Auswirkungen, was in einem veränderten Schamempfinden und einer Verrohung der Sprache zum Ausdruck kommt.

Alison McGhee, Komm, wir fliegen zum Mond

„»Elder?« »Ja?« »Wenn du ein junges Glühwürmchen wärst und … und …« Ihre Stimme wurde immer schwächer. »Und was?«, fragte Elder. »Und du wüsstest gern, wie es außerhalb vom Glühwürmchental aussieht …« Das war’s. Sie hatte es ausgesprochen. Sie wollte wissen, wie es hinter dem Tal aussah. Doch das ging gegen sämtliche Regeln des Glühwürmchenvolkes.“ (18)

Fünkchen, das junge Glühwürmchen, und Zirps, die kleine Grille, träumen davon die engen Grenzen des Glühwürmchentals zu durchbrechen und die weite Welt zu entdecken. Ratz, die alte Wasserratte, der nach der Zerstörung eines Biberdammes durch die Menschen ganz allein in einem Boot am Flussufer lebt, sehnt den Tag herbei, an dem er, wie sein Großvater, mit seinem Segelboot flussabwärts bis zum Meer aufbrechen wird. Der kleine Junge Peter wieder wünscht sich nichts mehr, als einen neuen Freund, seit sein alter Freund Charlie weggezogen ist.

Heinrich Heine, Bummel durch Tirol

Wenn eine Berühmtheit etwas sagt, können auch sogenannte blöde Sätze äußerst wertvoll werden. Der Sager „Innsbruck selbst ist eine unwohnliche, blöde Stadt“ wird zwar für richtig gehalten und tausendmal am Tag ausgesprochen, aber erst dass dieser Satz von Heinrich Heine stammt, macht ihn so wertvoll.

Bernd Schuchter geht mit seinem „Bummel durch Tirol“ der Frage nach, wie man ein Stück Klassiker lesen könnte, ohne dass man dafür eine Prüfung ablegen müsste. Am Beispiel von Heinrich Heines Reisebildern aus dem Jahre 1830 zeigt er, wie die Leserschaft der Gegenwart mit einem beinahe zweihundert Jahre alten Text umgehen könnte, nämlich durch Herausdestillieren von Reizwörtern und Reizsätzen.

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