Beziehung

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Daniela Emminger, Gemischter Satz

Eine Novelle ist vielleicht so etwas wie eine alte Maßeinheit des Erzählens, und wenn man durchaus zeitgenössische Dinge damit abmisst, ergeben sich verblüffende Relationen.

Daniela Emminger nimmt tatsächlich die Novelle als Maß für eine unmögliche Liebesgeschichte und erläutert im Vorspannt, was ein gemischter Satz ist. Neben einem sprachlichen Gebilde mit allerhand Subjekten und Objekten ist der gemischte Satz vor allem eine Form der Weinzusammenmischung, bei der verschiedene Sorten am gleichen Acker angebaut und dann vermischt werden.

Viv Albertine, A Typical Girl

Die Gitarristin der Kultband „The Slit“ schreibt ihr Leben als Memoir auf und bringt noch einmal eine ganze Generation ins Schwärmen.

Viv Albertine ist Pionierin der englischen Punkbewegung und hat vor allem mit den Sex Pistols und The Clash zu tun, ehe sie die Frauen-Punk-Band The Slits mitbegründet. Die musikalischen Nuancen, Interferenzen und Abstrahlungen werden sicher von Fans und Musikkennern entsprechend gewürdigt werden, für den Punk-Dilettanten ist vor allem das Leben der Viv Albertine aufregend bis hin zur Methode, aus einem wilden Leben ein geordnetes Buch zu schreiben.

Johannes J. Voskuil, Das A.P. Beerta-Institut. Das Büro 4

Hinter dem lauernden Begriff „Büro“ verbirgt sich einer der größten Romane der internationalen Literaturgeschichte. Das Büro ist ein Kosmos voller Widersprüche, ein Ort vollkommenen Stillstands und eruptiver Lebensführung, ein Archiv, das Gegenstände aus dem Futur bearbeitet, ein kleingeistiges Emotionslabor, in dem die größten Freigeister ihren Gedanken nachgehen.

Johannes J. Voskuils „Büro“ lässt sich wie alle Giga-Romane durchgehend lesen, man kann aber wie in einer Endlosschleife überall zusteigen und liegt immer richtig. Der Plot der sieben Bände zu je tausend Seiten ist raffiniert einfach wie ein DNA-Bauplan. Der Protagonist Maarten Koning stellt sich eines Tages in einem Volkskunde-Institut vor, wird auf der Stelle genommen und kommt ein Leben lang nicht mehr aus dem Büro heraus.

Ludwig Laher, Überführungsstücke

Die große Welt leistet sich oft kleine Nischen, in denen sie in einer einzigartigen Anordnung ihre Geheimnisse zur Schau stellt. Das kann die berüchtigte Glasmenagerie sein, worin sich die Psyche der Sammlerin spiegelt, das Kramuri-Museum am Innsbrucker Bergisl, worin die Geschichte Tirols als Devotionaliensammlung angeordnet ist, oder eben eine Asservatenkammer, worin Stücke des Schreckens und der alltäglichen Kriminalität für die Hauptverhandlungen am Gericht aufbereitet werden.

Ludwig Laher lässt nach einem Fünfzeiler von Konrad Bayer, wonach alles etwas Andres bedeuten kann, ziemlich wortgewaltig und auf barocke Ausschweifungen fokussiert einem Asservaten-Beamten freien Lauf. Allein das Wort „asservieren“ (für amtlich bewachen) zeigt, dass der Held Oskar Brunngraber mit großer Hingabe alles auf der Welt betreuen kann, wenn es gewünscht wird.

Friedrich Hahn, Die Schaufensterfrau

Prekäre Arbeitsverhältnisse sind längst das täglich Brot einer ganzen Generation geworden und werden auch in der Literatur dementsprechend besungen. Aber gibt es abgesehen von Prostitution prekäre Liebesverhältnisse, worin die Helden und Heldinnen aus dem Glückstopf der Emotionen abgedrängt sind und sich mit Gefühlsbrosamen begnügen müssen?

Friedrich Hahn zeigt eine Frau, die gelernt hat, sich zurückzunehmen und im Hintergrund zu bleiben. Als Schaufensterfrau steht sie zwar im Rampenlicht, wenn sie gerade am Abend die Dekoration wechselt, am nächsten Tag freilich liegen wieder die Produkte im dekorierten Fokus, von der Schaufensterfrau ist weit und breit nichts zu sehen.

Alissa Ganijewa, Eine Liebe im Kaukasus

Wenn in der großen Politik nichts zu holen ist, stürzen sich die Menschen auf das kleine Glück und politisieren es. Die Hochzeit ist dabei das Parlament des kleinen Mannes und der kleinen Frau, darin können sich beide für einen Tag verwirklichen, ehe das Unglück wieder Fahrt aufnimmt.

In Alissa Ganijewas Roman „Eine Liebe im Kaukasus“ dreht sich vordergründig alles ums Heiraten. Patja hat in Moskau ein Praktikum absolviert und soll nach Dagestan zurück, um zu heiraten, ehe es zu spät ist. Sie ist mit fünfundzwanzig schon sehr überständig. Die Fühler zu Hause sind schon ausgefahren, man hat bereits den Hochzeitsaal reserviert, man weiß nur noch nicht, wer wen heiraten wird. Ähnlich ergeht es Murat, der in Moskau in einer Anwaltskanzlei arbeitet und ebenfalls nach Hause soll, weil dort komplizierte Verträge Probleme machen.

Goran Vojnovic, Vaters Land

Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens haben die meisten in Europa gestaunt, wie viele Nationalitäten und Staaten in diesem wundersamen Tito-Staat versteckt gewesen sind. Aber auch die ehemaligen Bewohner sind über Nacht in einen anderen Staatszustand versetzt worden, in dem sie sich immer noch mit ihren Geschichten einrichten müssen.

Goran Vojnovic nimmt für seine Heimat- und Identitätssuche eine klassische Zauberformel: Der Vater wird für tot erklärt und alles ist erklärt. In „Vaters Land“ freilich hält dieser Zauberbann nur eine gewisse Zeit, der Ich-Erzähler googelt wie alle Menschen seine Vorfahren aus, und siehe da, der Vater ist bloß untergetaucht, nachdem man ihm ein Massaker in einem Dorf unterstellt hat.

Wilhelm Kuehs, Wer zuletzt lacht

Mittlerweile wird manchem Krimi-Schreiber selbst bewusst, dass das Fließbandschreiben nicht das Gelbe vom Ei sein kann, weshalb immer öfter in einem Nachwort erklärt wird, welch hohe Gedankengänge eigentlich im Krimi stecken.

Wilhelm Kuehs erklärt sein ungebremstes Schaffen mit der hohen Wahrscheinlichkeit, die in einem Krimi sitzt. Er zitiert den russischen Semiotiker Jurij M. Lotman, der sagt, „der literarische Text sei ein sekundäres modellbildendes System“. Im Kärntner-Krimi werden Elemente der Wirklichkeit transferiert, modelliert und manchmal bis zur Kenntlichkeit entstellt, um ein sekundäres System, eine narrative Welt zu schaffen. (333)

Kurt Vonnegut, Schlachthof 5

„Ist der Roman gegen Krieg? - Warum nicht gegen Gletscher?“ Gute Romane stellen die entscheidenden Fragen zeitlos wie eben philosophische Grundhandgriffe wirken.

Kurt Vonnegut versteckt seinen Romantitel „Schlachthof 5“ in barocker Manier unter einem Absatz von Inhaltsangaben, Deutungsmöglichkeiten und anekdotischen Verankerungen in der Literaturgeschichte. Der Kern, nämlich Schlachthof 5, ist eine Adresse im Dresden des zweiten Weltkriegs, worin amerikanische Kriegsgefangene interniert sind und das Bombardement durch die eigenen Truppen erleben.

Paul Theroux, Hotel Honolulu

Hotel und Literatur sind seit Jahrhunderten Gefährten und fast schon so innig verbunden wie Mensch und Hund. Das Hotel ist wie der Mensch auf fast allen Kontinenten verbreitet und befriedigt dabei gleichermaßen globale und regionale Tendenzen, die jederzeit zu einer Geschichte führen können.

Paul Theroux, der alte Reiseliteraturfuchs, verwendet im Hotel Honolulu einen feinen Erzähltrick. Er schickt das erzählende Ich in eine Schreib-Krise und folglich in einen leeren Vorstellungs-Raum. Der Erzähler nimmt im Honolulu den Job eines Geschäftsführers an, und schon sind die Geschichten da. Das Hotel hat achtzig Zimmer und tatsächlich hat auch das literarische Hotel achtzig Kapitel.

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