Gesellschaft | Kultur

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Nicholas Shakespeare, Broken Hill

Wenn ein Ort richtig entlegen ist, fällt er mit einer Handbewegung aus Raum und Zeit. Broken Hill ist ein abgewirtschafteter Bergbau-Ort im tiefsten Australien. Mit der schrottreifen Eisenbahn ist es leichter über die Küste nach London zu gelangen als nach Sidney.

Nicholas Shakespeare siedelt die Geschichte vor genau hundert Jahren an. Broken Hill hat den Anschluss an die Welt verloren, aus den einst gewonnenen Erzen sind längst Waffen und Kugeln gegossen, Broken Hill befeuert gerade den Ersten Weltkrieg mit seinen früheren Exporten. Im Mittelpunkt der Geschichte steht fast kitschig ausformuliert Rosalind, die mit ihren gerade mal zwanzig Jahren den Heiratsmarkt ungemein mobilisiert. Es herrscht nämlich Frauenüberschuss, weil die Männer meist schon in den Minen verunglückt sind.

Marion Poschmann, Geliehene Landschaften

Auch wenn der Kapitalismus noch so sehr darauf pocht, dass man die Welt besitzen könne, Landschaften jedenfalls lassen sich nicht besitzen, sondern nur leihen. Damit gleichen sie unseren besten Büchern in den Bibliotheken, deren Inhalt man zwar besitzen kann, wenn man ihn gelesen hat, deren Korpus aber nur geliehen ist.

Marion Poschmann geht den Leihvorgang der Landschaften mit der gleichen Präzision an, mit der Bibliothekare ihre Schätze verwalten. Die „Lehrgedichte und Elegien“ sind in neun Kapitel mit je neun Gedichten unterteilt. Ganz den Gattungsbezeichnungen entsprechend sind die Gedichte didaktisch angelegt, indem etwa Gerätschaften, Sinneseindrücke oder das pure Ambiente neu definiert und in neuen Konstellationen vorgeführt werden, zum anderen sind alle Texte, die man nicht genau zuordnen kann, elegisch.

Simon Konttas, Das letzte Bild

Wenn man das letzte Bild von jemandem im Album hat, hat man dann sein ganzes Leben vor Augen?

Simon Konttas widmet sich in seiner Studie über eine empfindsame Männerseele dem sogenannten letzten Bild. Da es sich beim Protagonisten um einen nebenseitig tätigen Maler handelt, könnte es sich um dessen letztes Bild handeln. Andererseits geht der Held elendiglich zugrunde mit einem letzten Bild vor Augen. Und schließlich lässt sich rätseln, welches letzte Bild vom „Roman“ beim Leser haften bleibt.

Gerhard Jaschke, bis auf weiteres

Die Lyrik fließt nicht nur als feierliches Brimborium, als spitze Spreche oder abgeklärter Lesebucheintrag durchs Land, die wilde Lyrik ist oft unauffällig, selbstkritisch und politisch in ihrer Verweigerung des tagespolitischen Geplänkels.

Gerhard Jaschke arbeitet zäh und ungeniert auf den Sektoren lyrische Theorie, Schau-Literatur und Aushebelung falscher Konventionen. Sein lyrisches Ich quält sich an der Hinfälligkeit biologischer Körper und lyrischer Formen ab. Legendär ist seine unverwüstliche Zeitschrift FREIBORD, und auch seine Methode, fallweise die Lyrik als Bauchladen auszustellen und griffbereit zu halten, ist ein Fall gelungener Dokumentationskunst.

Dine Petrik, Flucht vor der Nacht

Letztlich sind viele Typen prädestiniert, sich vor der Nacht zu fürchten. Die Kinder, wenn sie mit Gruselprogramm zu Bett gebracht worden sind, die erotisch Inspirierten, wenn das Tun nicht mehr mit dem Wollen übereinstimmt, die Künstler, wenn sie in der Finsternis dem aufgeklärten Licht ihrer Werke entrückt sind.

Dine Petrik nimmt diese Flucht vor der Nacht zum Anlass, um einen Künstler anlässlich des Millennium-Sprungs Bilanz ziehen zu lassen. Dabei wird nicht nur der kaputte Maler seziert, auch die Gesellschaft der Adabeis und die ganze Hautevolee kommen anlässlich der Silvesternacht 2000 an ihre Grenzen und werden somit an die Finsternis herangeführt.

Ferenc Barnás, Ein anderer Tod

Die höchste Kunst des Erzählens ist die Auflösung von Ort, Zeit und Handlung, sie führt vielleicht zu einem anderen Tod.

Ferenc Barnás gelingt etwas, das alle Schreibwerkstätten und Erzähllehrstühle ad absurdum führt, er fesselt die Leserschaft mit einem sperrigen Textblock, der nicht einmal Roman genannt wird und kaum Handlung, Zeitgeist oder Didaktik enthält. Es geht vielleicht um das Zusammenführen unbewusster Gedankenströme am Kontinent, um das Abtauchen eines Individuums in der eingedickten Zeitgeschichte und um die Transformation zerlegter Augenblicke in die Zeitlosigkeit.

Sepp Kahn, Ein Bauer auf Kur

Manche Berufsgruppen eignen sich aus politischen, religiösen oder patriotischen Gründen ganz besonders für die Hervorbringung von Helden. So hat der Arbeiter so lange den Helden gemimt, bis es keine Arbeit mehr gegeben hat, und der Bauer, gefeiertes Liebkind aus dem Ständestaat, ringt schon seit Jahrzehnten mit dem heldischen Abgang vom Hof.

Sepp Kahn kümmert sich stets in satirischer Form um dieses Bauernbild, das ihm an manchen Tagen unter der Hand zusammen-kugelt, noch ehe er es fertig entworfen hat. Unermüdlich wird von einer Welt erzählt, worin die Protagonisten sich zuerst in einem Klischee zeigen, dann aber sich selbst durch Bauernschläue retten und dem Publikum zeigen, dass sie noch Herr der Lage sind.

C.H. Huber, Milzschnitten und andere Spezialitäten

Jede gesellschaftliche Etage bringt zu gewissen Zeiten modische, kulinarische oder spielerische Gesten hervor, die eine Zeit recht gut beschreiben und hintennach als historisches Aha-Erlebnis gehandelt werden. Die Milzschnitten sind so eine Spezialität, die in diversen Haushalten des Wirtschaftswunders mit Genuss und Ekel verzehrt worden ist, ehe ihr hygienische EU-Vorschriften zumindest als Massenartikel den Garaus gemacht haben.

C. H. Huber versammelt unter dem Titel „Milzschnitten“ vierzehn Geschichte aus einem Alltagskosmos, der scheinbar wie geschmiert nach Benimm-Regeln abläuft, worin die Heldinnen und Helden aber ganz schon zu kauen haben, wenn sie ihre Lage reflektieren.

Regina Hilber, Landaufnahmen

Raffinierte Titel sind immer mehrdeutig wie die Lyrik überhaupt. Landaufnahmen können sich auf die Rezeption besinnen, wonach jemand Aufnahmen von einem Land macht und es als Kunstrichtung zwischen Selfie und Landschaftsmalerei ablegt. Die Landaufnahmen können sich aber auch auf die Gastfreundschaft eines Landes beziehen, wenn das Land jemanden willkommen heißt und aufnimmt.

Regina Hilber sortiert ihre Gedichte einerseits unter dem Lichtbogen konkreter Landschaften wie Hohe Tatra, Alpen oder Friaul ein, andererseits transformiert sie zustände und Stimmungen zu emotionalen Landschaften wie Sommer Slowenien.

Margit von Elzenbaum, Zwischen jetzt und jetzt

Eine Geschichte verändert sich naturgemäß, wenn sie in eine andere Sprache übersetzt wird. Oft erschließt sich der tiefere Sinn erst, wenn man den Text zweisprachig plastisch vor sich sieht wie eine Stereoaufnahme von einem Gelände.

Margit von Elzenbaum greift das fundamentale Thema der Südtiroler, nämlich die Mehrsprachigkeit, in ihren elf Geschichte auf, freilich geht es dabei um den Gap zwischen Dialekt und verschrifteter Sprache. Manche Geschichten sind als kurze lyrische Impression angelegt und logischerweise im Dialekt gehalten, die längeren und komplexeren Geschichten halten sich an die Schriftsprache. Einen Sonderfall stellt die Titel-gebende Story „Zwischen jetzt und jetzt“ dar, worin an besonders emotionalen Stellen oder wenn eine Heldin in den inneren Monolog wechselt, der Dialekt nahezu brachial loslegt.

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