Roman

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Goran Vojnovic, Vaters Land

Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens haben die meisten in Europa gestaunt, wie viele Nationalitäten und Staaten in diesem wundersamen Tito-Staat versteckt gewesen sind. Aber auch die ehemaligen Bewohner sind über Nacht in einen anderen Staatszustand versetzt worden, in dem sie sich immer noch mit ihren Geschichten einrichten müssen.

Goran Vojnovic nimmt für seine Heimat- und Identitätssuche eine klassische Zauberformel: Der Vater wird für tot erklärt und alles ist erklärt. In „Vaters Land“ freilich hält dieser Zauberbann nur eine gewisse Zeit, der Ich-Erzähler googelt wie alle Menschen seine Vorfahren aus, und siehe da, der Vater ist bloß untergetaucht, nachdem man ihm ein Massaker in einem Dorf unterstellt hat.

Kurt Vonnegut, Schlachthof 5

„Ist der Roman gegen Krieg? - Warum nicht gegen Gletscher?“ Gute Romane stellen die entscheidenden Fragen zeitlos wie eben philosophische Grundhandgriffe wirken.

Kurt Vonnegut versteckt seinen Romantitel „Schlachthof 5“ in barocker Manier unter einem Absatz von Inhaltsangaben, Deutungsmöglichkeiten und anekdotischen Verankerungen in der Literaturgeschichte. Der Kern, nämlich Schlachthof 5, ist eine Adresse im Dresden des zweiten Weltkriegs, worin amerikanische Kriegsgefangene interniert sind und das Bombardement durch die eigenen Truppen erleben.

Paul Theroux, Hotel Honolulu

Hotel und Literatur sind seit Jahrhunderten Gefährten und fast schon so innig verbunden wie Mensch und Hund. Das Hotel ist wie der Mensch auf fast allen Kontinenten verbreitet und befriedigt dabei gleichermaßen globale und regionale Tendenzen, die jederzeit zu einer Geschichte führen können.

Paul Theroux, der alte Reiseliteraturfuchs, verwendet im Hotel Honolulu einen feinen Erzähltrick. Er schickt das erzählende Ich in eine Schreib-Krise und folglich in einen leeren Vorstellungs-Raum. Der Erzähler nimmt im Honolulu den Job eines Geschäftsführers an, und schon sind die Geschichten da. Das Hotel hat achtzig Zimmer und tatsächlich hat auch das literarische Hotel achtzig Kapitel.

Erika Kronabitter, La Laguna

Die Geschichte ist nicht nur ein Ablauf von Ereignissen, die hintereinander gelesen eine Story ergeben, Geschichte ist vor allem ein zerrissenes Gebilde, das sich nur schwer zu einer Collage zusammenkleben lässt.

Erika Kronabitter geht mit ihrem Roman der Frage nach, ob man Frieden mit der eigenen Geschichte schließen kann, wenn man ihr genug Zeit lässt. „Überblick erhält, wer Abstand gewinnt.“ (227)

Lilly Jäckl, estoy durmiendo - ich schlafe gerade

Einen Roman, der ständig explodiert, sich selbst erklärt, den Leser zum Mitarbeiten einlädt und überall auf der Welt synchron spielen kann, nennt man Metafiktion. Das ist immer als ein Kompliment aufzufassen, dass es sich um keinen Krimi handelt.

Lilly Jäckl legt wie in feinen Lokalen zuerst einmal das Besteck aus, ehe die Speisen aufgetragen werden. Der spanische Titel wird beinahe widerwillig übersetzt, „ich schlafe gerade“ ist nämlich der Hauptzustand einer beteiligten Person und eine Art Krankenhaus-Kinderbuch, das verloren gegangen ist und notdürftig in Ausrissen zusammengesetzt wird.

Heinz Helle, Eigentlich müssten wir tanzen

In der Konsumgesellschaft gibt es ein großes Tabu, nämlich das Ende der Dinge und Dienstleistungen zu denken.

In Heinz Helles Roman machen sich fünf junge Männer auf, um in Tirol auf Abenteuer zu gehen, wie es sich für einen Kurzurlaub geziemt. Wie Tausende an jedem Wochenende rollen sie gut gelaunt und wohl auch mit diversen Hilfsmittel stimuliert den berüchtigten Irschenberg hinunter in jene Senke, von wo aus man ins verheißene Land Tirol abbiegt. Aber kaum sind sie durch die Gebirgsarschbacken des Landes eingedrungen, zeigt sich alles ausgebrannt, vernichtet und zerstört.

Katharina Winkler, Blauschmuck

In der archaischen Überlebensliteratur ist nie ein Satz zu viel vorhanden, deshalb kann man auch jeden Satz als Lebensprogramm anerkennen.

Katharina Winkler schafft etwas schier Unmögliches, sie überlässt ihre Heldin einer brutalen Welt voller Gewalt, die sich nur aushalten lässt, wenn die Schläge wie Sprichwörter inhaliert und devot nachgebetet werden.

Julia Kissina, Elephantinas Moskauer Jahre

In den Nachfolgestaaten der Sowjetunion werden die letzten Jahre des Imperiums als „Moskauer Jahre“ bezeichnet, damit kann man zeitgenössisch präzise sein und dennoch die Gefühlsdistanz zur alten Mutter Hammer-Sichel kundtun.

Julia Kissina schickt ihre Heldin Elephantina als angehende Künstlerin von Kiew in die Hauptstadt Moskau, wo sich im halboffiziösen Untergrund eine geradezu phantastische Künstlerszene entwickelt hat. Elephantina klingt ja selbst schon wie eine Heldin aus einer angerauchten Gegend, ihr Geliebter ist Tomaterich. So wie sich die Helden der Revolution Künstlernamen wie Lenin oder Stalin gegeben haben, benützen jetzt auch die Künstler ihre Kampfnamen der Phantasie.

Karoline Cvancara, Am Tiefpunkt genial

Lebensentwürfe zeigen ihre wahre Größe erst, wenn sie am Nullpunkt angekommen sind. Erst wenn die Helden ihrer Ideen-Verkleidungen beraubt sind, können sie auf ihre tatsächliche Überlebenskraft zugreifen.

Karoline Cvancara ist mit dem Roman „Am Tiefpunkt genial“ ein perfektes Kammerstück aus dem Wiener Bobo-Grätzl Josefstadt gelungen. Auf engstem Raum ist alles vorhanden, was man zum Glücklichsein braucht. An allen Ecken und Enden sind diese kleinen Geschäfte, die sich unter der Globalisierungshaube wegducken und Wärme und Menschlichkeit verbreiten. Die Griechen und Italiener und sonstigen Lokale sind alle „klein und angenehm“, man isst in kleinen Portionen und trinkt dazu in kleinen Schlucken, bis man dann doch den großen Fetzen ausgefasst hat.

Klaus Rinner: Steger – Verwerfungen und scheues Glück

Ein Held, der von vorneherein als Medium angelegt ist, kann sich in punkto Wahrheit so gut wie alles leisten und ist der ideale Mittler zwischen Autor und Publikum.

Klaus Rinner führt seinen Steger-Kosmos, den er vor acht Jahren als „Herzensverdruss“ ausgelegt hat, mit dem Aktenvermerk „Verwerfungen und scheues Glück“ fort. Doktor Steger ist Rechtsanwalt, der aus seiner juristischen Haut nicht hinauskann, weshalb er sich die Welt juristisch deutbar zurechtlegt. Das funktioniert in den meisten Geschäftsfeldern der Gesellschaft, weil es schließlich zu jedem Thema Gesetze, Auslegungen und Gerichtsurteile gibt.

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