Roman

  • strict warning: Declaration of views_handler_filter_node_status::operator_form() should be compatible with views_handler_filter::operator_form(&$form, &$form_state) in /var/www/drupal/sites/all/modules/views/modules/node/views_handler_filter_node_status.inc on line 0.
  • strict warning: Declaration of views_plugin_style_default::options() should be compatible with views_object::options() in /var/www/drupal/sites/all/modules/views/plugins/views_plugin_style_default.inc on line 0.
  • strict warning: Declaration of views_handler_argument_many_to_one::init() should be compatible with views_handler_argument::init(&$view, $options) in /var/www/drupal/sites/all/modules/views/handlers/views_handler_argument_many_to_one.inc on line 0.

Gino Chiellino, Der Engelfotograf

Zu den verwerflichsten Dingen gehört die Rekrutierung von Kindern für ein diffuses politisches Ziel. Was man heute diversen Terrorgruppen vorwirft, hat bis vor kurzem noch die Kirche perfekt abgewickelt.

Gino Chiellino beschreibt eine Kinderekrutierung aus der Sicht eines betroffenen Kindes in Kalabrien. Im Sommer 1957 sind die in Bio-Wolle gekleideten Patres aus dem Norden wieder in den armen Gegenden des Südens unterwegs, um Ausschau zu halten nach lebensfrohen Kindern, mit denen sie die Internate füllen werden. Die Armut ist ein Argument, gegen das keine Eltern und Verwandten aufkommen, und so kommt der Knabe Rusco in das Internat.

Kat Kaufmann, Superposition

Wer eine Superposition einnimmt, hat es sportlich, gesellschaftlich oder sexuell geschafft. Der Begriff zieht durchaus den Neid an und wird zum Selbstschutz der Helden deshalb oft ironisch verwendet. Jemand mit der Arschkarte in der Hand kann also durchaus verkünden, dass er eine Superposition habe.

Heldin dieses zeit-geistigen Romans von Kat Kaufmann ist die 26-jährige Jazz-Pianistin Izy, deren Wurzeln in Russland und in der Ukraine liegen, und die sich im dynamisch-wuseligen Berlin der Gegenwart einzunisten versucht. So sind denn auch Abklärung der Herkunft und das heimisch Werden in der Kunst die Grundvoraussetzungen, um sich in den gekrümmten Koordinaten Berlins zurechtzufinden. Die Hauptforderung heißt dann auch Migrationsvordergrund statt -hintergrund.

Rüdiger Görner, Nausikaa oder Die gefrorenen Wellen

Nausikaa ist in der griechischen Mythologie eine einheimische Frau, die am Ufer gierig wartet, dass ein Flüchtling angeschwemmt und ihr Lover wird.

Rüdiger Görner zeigt in seinem Roman „Nausikaa“ ein Liebespaar, das allen Kriegsvorbereitungen zum Trotz ein intellektuell unterlegtes Leben führen will und dann doch nicht mit sich und der Zeit zurechtkommt.

Hans Platzgumer, Am Rand

Die raffiniertesten Romane schlüpfen oft in eine gängige Verpackung und sprengen von innen her alles Konventionelle.

Hans Platzgumer schickt seinen Helden Gerold Ebner auf einen Berggipfel, damit er dort umgeben von jähen Abgründen sein Leben reflektieren kann. Üblicherweise geht man ja ins Gebirge, um das Tal-Leben hinter sich zu lassen, der Ich-Erzähler am Rand aber gibt sich nicht lange den Lichtverhältnissen und Schattierungen im Gebirge hin und beginnt zu schreiben. Er hat sich ein leeres Gipfelbuch mitgenommen, das er mit seinem Leben vollschreiben wird.

Ursula Flacke, Das Mädchen aus dem Vinschgau

Hinter jedem gelungenen Buch steckt eine vollkommene Bibliothek. Manchmal bedanken sich Autorinnen und Autoren bei diesen Bibliotheken, andere setzen auf den Genie-Begriff und behaupten, sich alles selbst aus den Hirnwindungen gesogen zu haben.

Ursula Flacke setzt an das Ende des historischen Romans vom „Mädchen aus dem Vinschgau“ zwei Anmerkungen, einmal bedankt sie sich bei der Schlanderer Bibliothek, die ihr diesen regionalen Stoff erst zugänglich gemacht hat, andererseits betont sie das Fiktionale des Romans, worin Kernfiguren, Kernzeiten und  Kernhandlungen aus einer Unmenge von Möglichkeiten herausdestilliert sind. So spielt das „Mädchen aus dem Vinschgau“ komprimiert um das Jahr 1519.

Alfred Paul Schmidt, Aus dem Grenzenlosen komm ich mir entgegen

Eine hohe Erzählkunst erkennt man daran, dass sich der Autor überflüssig macht, klont oder frisch gleich im eigenen Text untertaucht.

Alfred Paul Schmidt erzählt mit süffisanter Raffinesse, wie sich ein Autor selbst im Weg steht und sich dann selbst aus dem Weg räumt. Zu diesem Zweck wählt er das Genre des literarischen Insiderromans, der vorgibt, nur ausgewählte Insider der literarischen Szene könnten das Geflecht an Intrigen, Vorspiegelungen und Verhöhnungen verstehen.

Gerhard Henschel, Künstlerroman

Fette Serienromane nehmen die Edition als Werkausgabe gleich vorweg und ersparen uns so diese kommentierten Ausgaben, die die Germanisten mittlerweile an allen Ecken und Enden loslassen.

Gerhard Henschel nämlich hat nichts anderes im Sinn, als seinen Helden Martin Schlosser halbwegs heil und unkommentiert durch die letzten Jahre der Bundesrepublik zu führen. Er nennt dessen Lebens-Abschnitte nach allgemeinen Gattungsbezeichnungen des Bildungsbürgertums schlicht Kindheitsroman, Jugendroman, Liebesroman, Abenteuerroman und jetzt Künstlerroman. Jeder Auftritt hat mindestens fünfhundert Seiten und beschäftigt sich mit dem heldenhaft quälenden Voranschreiten des Martin Schlosser, der im aktuellen Band bei 1986 angekommen ist.

Susanne Gregor, Territorien

Von Territorien sprechen vor allem Militärs und Hunde, die einen erobern und verteidigen Territorien nach Befehl, die anderen stecken ihre Territorien ab und markieren sie mit gehobenem Bein.

Susanne Gregor setzt ihre Heldin Emma irgendwo in der Mitte an, wenn es darum geht, die Empfindungs- und Zukunftsgebiete einer Ehe abzustecken. Emma und Sam sind ein Ehepaar in Wien, er ist aus Nicaragua für ein Uni-Projekt nach Wien gekommen, sie ist zwar auch an der Uni, aber vor allem damit beschäftigt, die Schwangerschaft in den Griff zu bekommen.

Daniela Emminger, Schwund

Auf gut Österreichisch bedeutet Schwund meist einen unerklärlichen Verlust, der beim Wirtschaften entsteht. Diebstähle, Transportunglücke und unerklärliche Lagerverluste bewirken meist einen Schwund, den man in der Bilanz achselzuckend zur Kenntnis nimmt.

Daniela Emminger setzt den Schwund im Leben ab, im Verlaufe der Zeit gehen auf zähe Weise Lebenskraft, Lebensfreunde und Lebenssinn verloren, der Mensch schwindet, bis er aus dieser Welt verschwunden ist.

Alexander Widner, Stark wie ein Nagel

Aufregende Bücher können seltsame Reaktionen auslösen, wie etwa, dass Dichter neidvoll wünschen, dieses Buch selbst geschrieben zu haben. Meist verschwinden diese Bücher gleich wieder, weil sie zu gefährlich gut sind.

Im Falle von Alexander Widner ist sein Hammer-Roman vom Nagel jetzt nach zwanzig Jahren wieder stark und spitz als Wieser-Taschenbuch greifbar. Und noch immer frisst der Neid Autoren wie Josef Haslinger, der dieses Buch gerne selber geschrieben hätte.

Volltextsuche:
Bilder.tibs.at
 
Auf bilder.tibs.at finden Sie freie Bilder zu unzähligen Themen!