Wirtschaft | Soziales

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Willemijn van Dijk, Via Roma

„WIE ENTSTEHT EINE Stadt? In den meisten Reiseführern liest man, Rom sei am 21. April 753 v. Chr. gegründet worden. Eine verdächtig genaue Angabe, die oft ungeprüft übernommen wird – und gedenken nicht die Römer selbst jedes Jahr am 21. April der Gründung ihrer Stadt?“ (5)

Kaum eine Stadt spricht aus so vielen Straßen und Gassen zu ihren Besuchern wie die ewige Stadt Rom. Jeder Spaziergang über die sieben Hügel und durch die zahlreichen Winkel ist gleichsam eine Reise bis in die entfernteste Vergangenheit einer Stadt, die einmal die Geschicke der antiken Welt gelenkt hat.

Bernd Roeck, Der Morgen der Welt

„Ohne das Gespräch mit der Antike, das die Kultur der Renaissance – Thema unserer Darstellung – zum Zentrum hat, wären diese Umbrüche undenkbar gewesen. Ohne die Möglichkeit, miteinander und gegeneinander zu reden, kritisch zu diskutieren, öffentlich zu räsonieren, wäre weder die Demokratie entstanden, noch jene Fülle technischer Neuerung und wissenschaftlicher Erkenntnisse hervorgebracht worden, die unsere Zeit prägen, im guten wie im schlechten.“ (17)

Im Mittelpunkt der Möglichkeiten und der Bedeutung der Renaissance wird die Kunst der Konversation und damit das „Prinzip Streit“ gestellt, womit die Offenheit der Diskussion für Irrtümer, gegensätzliche Meinungen und Infragestellung der eigenen Standpunkte gemeint ist. Ihre Wurzeln hat diese Kultur der Denkform in der Antike, die über zahlreiche Umwege und Vermittlungen ihren Weg wieder zurück nach Europa gefunden hat, von wo aus sie ihren rasanten Siegeszug über die Welt aufnehmen wird.

Armin Thurnher, Ach, Österreich!

Eher gehen einem bei Österreich die Seufzer aus, als dass einem der Stoff ausginge. Eines muss man Österreich nämlich lassen, es liefert literarischen Stoff wie kaum ein anderes Land auf der Welt.

Armin Thurnher zwinkert bei jedem Österreich Buch mit den Augen und hofft, dass es das letzte Buch gewesen ist, doch dann bricht etwas aus, wie die Unmöglichkeit einen Bundespräsidenten zu wählen, und der Stoff weht schon wieder beim Schreib-Fenster herein. Vielleicht ist dieses Buch das letzte, weil er verspricht, noch ein paar zu schreiben.

Markus Inama, Der Hoffnung ein Zuhause geben

Erzählungen aus Mitgliedsländern der EU werden oft als Reiseführer geschmückt, damit möglichst viel Tourismus entsteht, oder als Erfolgsgeschichte der Wirtschaft dargestellt, indem zu diversen Exportleistungen passende Gesichter präsentiert werden.

Markus Inama erzählt auch eine Geschichte aus der EU. Und auch seine Geschichte aus Bulgarien ist erfolgreich, wenn man sich das Konzept des Sozialprojektes Concordia zu Gemüte führt: „Wir feiern zwischendurch auch unsere Niederlagen!“

Henry David Thoreau, Leben ohne Grundsätze

Bei einem echten Amerikaner denken wir meist an einen herumballernden Viehbetreuer, der das Land auf Generationen hinaus vernichtet und sein Glück über T-Bone-Steak definiert. Dass es natürlich immer auch andere Zeitgenossen gegeben hat, die den Schutz der Natur und das Glück mit der Natur im Auge gehabt haben, wird deutlich, wenn man die wichtigsten Essays des Landes liest. Es gibt ja die schöne die Theorie, dass man ein Land nur kennenlernt, wenn man seine Essayisten liest.

Henry David Thoreau gilt als einer der wichtigsten Philosophen Amerikas. Als Anhänger des Transzendentalismus „findet er Gott unter jedem Stein“ (62) und ist ständig in der Natur unterwegs. „Die Länge der Wanderungen entsprach der Länge der Schriften“, heißt es in einem berührenden Nachruf. Thoreau ist zwischendurch auch so etwas wie ein Volksbildner, der seine Thesen in gut gebuchten Referaten zur Diskussion stellt. Dabei verwendet er in der frühen Phase Ausrisse aus dem Tagebuch, erst später verfasst er gesondert Essays und verschriftlichte Vorträge.

Konrad Paul Liessmann, Bildung als Provokation

Bildung lässt sich vielleicht mit jenem Kinderspiel vergleichen, das früher analog und politisch unkorrekt gespielt worden ist. „Wer fürchtet sich vorm afrikanischen Mann? - Niemand. - Wenn er aber kommt? - Laufen wir davon.“

Konrad Paul Liessmann hat der Philosophie das Unterhaltsame zurückgegeben, ohne dass sie deshalb flach geworden wäre. Die kompliziertesten Ideen verknüpft er mit griffigen Bildern, er fordert den Widerspruch seiner Diskussionspartner heraus, und das Publikum, arg enttäuscht von Konsum und üblicher Unterhaltungsindustrie, entdeckt plötzlich die Neugierde auf das eigene Leben und liegt dem Philosophen weit gestreut zu Füßen.

Noam Chomsky, Requiem für den amerikanischen Traum

„Ein wesentlicher Bestandteil des amerikanischen Traums ist die soziale Mobilität: Auch wer arm geboren ist, kann es durch harte Arbeit zu Wohlstand bringen. Gemeint ist damit, dass jeder einen gut bezahlten Job finden, sich ein Haus und ein Auto leisten und seinen Kindern eine Ausbildung finanzieren kann … All das ist in sich zusammengebrochen.“ (11)

Der amerikanische Traum ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die allen offensteht, wenn sie nur hart dafür arbeiten und sich bemühen. Was für eine gewisse Zeit lang und bis zu einem gewissen Grad durchaus der Wirklichkeit entsprochen hat, hat in der Gegenwart seine Gültigkeit verloren. Und obwohl die soziale Mobilität in den USA mittlerweile geringer ist als in Europa, wird der amerikanische Traum durch die Propaganda bewusst am Leben gehalten.

Aleš Šteger, Logbuch der Gegenwart

Eine literarische Antwort auf die Welt der politischen Selfies und Clouds ist die Echtzeitliteratur, die im Stile eines journalistischen Selbstversuchs an sogenannten Hotspots der Weltgeschichte abläuft oder durch Inszenierung Hotspots schafft.

Aleš Šteger ist in der Kernzone seiner selbst Poet, allerdings ist er wie ein Kriegsberichterstatter ununterbrochen unterwegs, um eine Art Logbuch der Gegenwart zu inszenieren. Wenn unsereins sagt, dass die heutige Zeit im Bild der Roman von morgen ist, so sagt der Autor, dass dieser Roman auch dort spielen muss, wo die Nachricht über ihn entstanden ist.

Barbara Stollberg-Rilinger, Maria Theresia

„Der Suggestionskraft dieser Heldenerzählung kann man sich schwer entziehen. Sie machte Maria Theresia im Laufe des 19. Jahrhunderts zu der Symbolgestalt österreichischer Staatlichkeit schlechthin. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass das nicht immer so war.“ (X)

Maria Theresia zählt wohl zu den bekanntesten Herrscherinnen der Geschichte und in Österreich ist das mythische Bild der übergroßen Landesmutter weitverbreitet. Dabei spielte die Erinnerung an die „Kaiserin“ in den Schriften zur Zeit der Französischen Revolution schon kaum mehr eine Rolle. Es war das 19. Jahrhundert, das sie wieder auferstehen ließ und ihr die Rolle einer zentralen Symbolgestalt der österreichischen Staatlichkeit zukommen ließ. Anhand eines umfangreichen Quellenmaterials legt Barbara Stollberg-Rilinger minutiös das Bild der Kaiserin und ihrer Zeit vor ihrer Verklärung im 19. Jahrhundert frei.

Lily King, Vater des Regens

Wenn es nach den Forschungsdisziplinen Psychologie und Literatur geht, sind Vater und Tochter ausschließlich deshalb auf der Welt, damit sie Schwierigkeiten kriegen und dann einen Psychologen oder eine Bibliothek aufsuchen können.

Lily King beginnt ihr Kammerstück der Familienverhältnisse mit einer Idylle, und das bedeutet im Roman fast immer Schrecken. Die Ich-Erzählerin Daley kriegt zum elften Geburtstag ein Hündchen, aber schon als sie damit nach Hause kommt, ist klar, dass das Hündchen nicht ihr gehören wird, so wie der Pool nicht, den sie zum fünften Geburtstag gekriegt hat.

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