Bücher, Zahlen und Lesefreude - Vier Tirolerinnen beeindruckten mit ihren Projekten

Auch wer nichts über Bibliotheken weiß, hat Bilder von ihnen. Bibliothekarinnen lesen gern, kennen alle Bücher, sind super bezahlt und mögen Menschen. Super bezahlt?

Das stimmt leider nicht, denn drei der vier Tirolerinnen, die Ende Juni ihre Ausbildung zur ehrenamtlichen Bibliothekarin erfolgreich abschlossen, sind ehrenamtlich tätig. Und die eine Ausnahme erhält eine Aufwandsentschädigung, arbeitet weit über diese Stunden hinaus ehrenamtlich.

„In meinem Projekt geht es um die Leistungszahlen der Bücherei Kramsach. Die Fakten genau zu erheben ist dabei ebenso wichtig wie sie so aufzubereiten, dass sie die Gemeinde und die Pfarre und die Öffentlichkeit versteht. Umsatz? Ja, wir dividieren die Entlehnzahlen durch den Bestand: Das zeigt, ob der Bestand angenommen wird.“

Alexandra Schinnerl, Mitarbeiterin der Öffentlichen Bücherei Kramsach, weiß um die Leistung der BibliothekarInnen in Tirol, ebenso wie ihre Kolleginnen Sigrid Ehrlich, ÖB Zams und Nina Madl, ÖB Axams. Die beiden haben ihre Projektarbeit der Leseförderung gewidmet: Sigrid Ehrlich war innovativ und kooperierte mit der BAKIP in Zams, angehende KindergartenpädagogInnen konnten sich und einige Bilderbücher in der Bibliothek „ausprobieren“, auch das ist pädagoische, genauer gesagt, literaturpädagogische Praxis.

Nina Madl hat mit der Neuen Mittelschule kooperiert und ist dabei völlig neue, originelle Wege gegangen. „Ich wollte von den SchülerInnen wissen, welche Reihen sie kennen und welche sie bevorzugen. Die Methode „Speed Dating“ funktioniert auch bei Büchern, die SchülerInnen waren engagiert, hatten ihren Spaß und freuen sich jetzt, reihenweise bei uns zu lesen.“


V. l. n. r.: Carina Pichler, ÖB Oberperfuss, Sigrid Ehrlich, ÖB Zams, Nina Madl, ÖB Axams, Petra Gröbner, Kitzbühel, Alexandra Schinnerl, ÖB Kramsach
Foto: Christina Repolust

 

Carina Pichler, Leiterin der ÖB Oberperfuss und Vorsitzende des Interessensverbandes der BibliothekarInnen Tirols, ist Trainerin in diesem Ausbildungslehrgang, der vom Büchereiverband Österreichs (BVÖ) organisiert und vom Bundeskanzleramt finanziert wird. Sie ist überzeugt:

Die BibliothekarInnen sind hoch qualifiziert und stecken ihre Freizeit in die Ausbildung, in die Projekte und die Projektarbeiten, lernen für die kommissionelle Abschlussprüfung. Diese Professionalität und Qualifizierung muss Thema der Politik werden: Wie lange können und wollen sich Frauen dieses Ehrenamt in dieser Intensität noch leisten? Was die Tiroler Kolleginnen und alle anderen 15 TeilnehmerInnen aus ganz Österreich präsentierten, kommt mindestens einer Halbtagsanstellung gleich!

Diese fünf Tirolerinnen mögen Menschen und Bücher, setzen auf Innovationen, geben viel und wissen, wo die Grenzen der freiwilligen Arbeit, etwas veraltet auch Ehrenamt genannt, liegen. „Wenn uns die Entwicklung nicht überrollen soll, müssen wir jetzt an die Zukunft denken.“

Fragen gibt es dazu genug: Wer führt einmal weiter, was wir begonnen haben? Warum sind Öffentliche Bibliotheken nicht gleich gut dotiert wie Vereine der einzelnen Gemeinden? Warum ist der Dünger des Rasens des örtlichen Fußballplatzes der höhere Budgetposten im Gemeindebudget als der gesamte Medienzukauf des Jahres der Öffentlichen Bibliothek?

 

Christina Repolust, 26-06-2016
bearbeitet: Andreas Markt-Huter, 27-06-2016

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