Friedrich Hahn, Die Schaufensterfrau

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Prekäre Arbeitsverhältnisse sind längst das täglich Brot einer ganzen Generation geworden und werden auch in der Literatur dementsprechend besungen. Aber gibt es abgesehen von Prostitution prekäre Liebesverhältnisse, worin die Helden und Heldinnen aus dem Glückstopf der Emotionen abgedrängt sind und sich mit Gefühlsbrosamen begnügen müssen?

Friedrich Hahn zeigt eine Frau, die gelernt hat, sich zurückzunehmen und im Hintergrund zu bleiben. Als Schaufensterfrau steht sie zwar im Rampenlicht, wenn sie gerade am Abend die Dekoration wechselt, am nächsten Tag freilich liegen wieder die Produkte im dekorierten Fokus, von der Schaufensterfrau ist weit und breit nichts zu sehen.

Im Roman kommt Hannah als in Einzelteile zerrissene Partikel zum Vorschein. Die Absätze setzen jeweils als Zitat von etwas verloren Gegangenem ein, mit drei Punkten kommt die Szene in Fahrt, mit drei Punkten verschwindet sie. Obwohl dieses Leben wie Tropfen auf einer weiten Fläche verteilt ist, lässt es sich beinahe auf einem einzigen Notizzettel erzählen.

Hannah ist durch Zufall Schaufensterfrau geworden, ihre Ehe mit Harald läuft auf dem Paper weiter, die Kunden sind zufrieden, jeder Tag bringt etwas Überraschung oder nichts. „Hannah weiß nicht, was auf sie zukommt“, heißt es gleich zu Beginn.

Bald einmal ergibt sich eine Schaufensterbeziehung mit einem gewissen Mersich, der schon vom Namen her darauf hindeutet, dass er mehr an sich denkt als an sonst was. Während Hannah auf Kur ist, übersiedelt Mersich nach Linz und erwartet sich, dass sie ihm von Wien aus nachfolgt. „Unsere Liebe hat die Zukunft noch nicht berührt“ (106) denkt sich Hannah und bläst wieder alles ab.

Jetzt wird sie bald fünfzig und ihr Mann Harald taucht auf, er will die Scheidung, weil er sich familiär umstrukturiert. Kein Problem, Hannah willigt ein und nascht auch ein bisschen an der neuen Familie, die ihr Harald wieder zusammengebastelt hat. Auch beruflich wird an den alten Zeiten angeschlossen, Hannah arbeitet wieder bei ihrem Exmann, aushilfsweise natürlich. Hannah sieht eine fremde Frau auf ihrem Stuhl sitzen und erschrickt: die Fremde ist sie selbst. (194)

Friedrich Hahn erzählt beinahe protokollarisch, wie sich vielleicht ein Therapeut Notizen macht, wenn er einen besonders unauffälligen Fall für die Krankenkasse dokumentieren muss. Der Untertitel von der Liebe derer, die nicht geliebt werden, ergibt eine breite Lese-Spur, wie man diese Heldin dechiffrieren könnte. Der kalte Guss, mit dem die Heldin geformt ist, erinnert an die legendäre linkshändige Frau von Peter Handke.

„Hannah beschließt, sich heute keine Sorgen zu machen“ heißt das Lebensmotto zu Beginn, am Schluss heißt es lapidar: „Alles, was Hannah jetzt noch wichtig ist, ist, dass ihr nichts mehr wichtig ist.“ (197) Vielleicht ist dieses Schicksal Anregung, wie man schmerzfrei alt werden kann, ohne es zu spüren.

Friedrich Hahn, Die Schaufensterfrau. Von der Liebe derer, die nicht geliebt werden, Roman
Krems: Edition Roesner 2016, 198 Seiten, 24,90 €, ISBN 978-3-903059-08-5

 

Weiterführende Links:
Edition Roesner: Friedrich Hahn, Die Schaufensterfrau
Wikipedia: Friedrich Hahn, Die Schaufensterfrau

 

Helmuth Schönauer, 08-08-2016

Bibliographie
AutorIn: 
Friedrich Hahn
Buchlangtitel: 
Die Schaufensterfrau. Von der Liebe derer, die nicht geliebt werden
Erscheinungsort: 
Krems
Verlag: 
Edtion Roesner
Seitenzahl: 
198
Preis in EUR: 
24,90
ISBN: 
978-3-903059-08-5
Kurzbiographie AutorIn: 

Friedrich Hahn, geb. 1952 in Merkengersch / NÖ, lebt in Wien.

Volltextsuche:
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