Giwi Margwelaschwili, Die Medea von Kolchis in Kolchos

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Wie erfährt man von einem Mythos, wenn alle Beteiligten schon tot sind und nichts mehr da ist, als der Name von einem unbeschreiblichen Ding oder Ereignis.

Giwi Margwelaschwili ist ein Meister in beiden Welten, im Surrealismus und in der Postmoderne. Er ist somit der ideale Autor, um den Medea-Mythos in die Gegenwart zu holen, zumal ihm als Georgier die Kolchischen Geschichten zu Füßen liegen. Ein Ich-Erzähler, Alter-Ego und Mythen-Journalist macht sich auf den Weg, eine Position zu finden, von der aus man alle Jahrhunderte und alle geographischen Strukturen überblicken kann.

Zu diesem Zweck erfindet er eine reale Welt, eine Lesewelt, eine Buchstabenwelt und eine Meta-Welt. Ein gewisser Wakusch tritt als Schriftsteller und Meta-Leser auf, der Erzähler löst ihn zwischendurch ab und setzt an seiner Stelle das Werk fort.
Der ganze Roman ist ein ständiges Hinundherzucken von Standpunkten, die wie ein Feuer aus der Medea herauszüngeln. Logischerweise kommt auch Medea unter die Räder dieser Erzählweise beziehungsweise tritt sie aus den Speichen hervor.

Da gibt es einmal eine Plastik, die die ganze Küste dominiert, ferner einen Sagenschatz und schließlich jede Menge Schriften, die diesen Mythos durchkämmen. Besonders herausgehoben wird Christa Wolf mit ihrer Medea, die freilich handfeste Übersetzungsprobleme kriegt, weil die Kluft zwischen der deutschen Gegenwartssprache und dem erinnerten Altgriechisch unüberwindbar erscheinen. (101)

Als Hilfsmittel, das alles zu dechiffrieren, dient ein Polymat, der wie ein Drohne die belesene und reale Welt mit seinen Fängen abscannen kann. Freilich sitzt auch die Kommandozentrale im virtuellen Raum, so dass auch hier die Kluft zwischen Gegenwart und Mythos unüberwindlich erscheint.

Dass der ganze Roman mehr ist, als ein erzähl-theoretisches Abenteuer, merkt man schließlich an den Statuen von Lenin und Stalin, die in Medea-Manier gleichzeitig vorhanden und abwesend sind. Aus dem Mythos erwächst dadurch zu einer besonderen Art des Regierens.

Als Leser wird man einerseits in den Text miteinbezogen, indem man seitenweise selbst die Lesewelt schafft, dann wird man wieder ausgestoßen, weil der ganze Stoff so alt und entlegen ist, dass es keine Leser mehr gibt, die diese Auseinandersetzung aushalten würden. Ich bin dein Leser, Mann! (73) ruft ein Lese-Autor dem Buchstabenbautor zu, als nichts mehr weitergeht und die Leseschwindsucht wieder einmal Überhand gewinnt.

Medea von Kolchis in Kolchis ist ein rasantes Verwirrspiel um die Positionen von Leserschaft und Autorentum, die Zustände „realweltlich“ und „buchstabenweltlich“ (7) werden so lange vermischt, bis daraus eine Textwelt entsteht. Der Roman ist ein großes Lob an die Leser, was diese eigentlich instinktiv bei jedem Buch an Schöpfung zustandebringen.

Giwi Margwelaschwili, Die Medea von Kolchis in Kolchos. Roman
Berlin: Verbrecher Verlag 2017, 168 Seiten, 20,00, ISBN 978-3-95732-231-9

Weiterführende Links:
Verbrecher Verlag: Giwi Margwelaschwili, Die Medea von Kolchis in Kolchos
http://www.verbrecherverlag.de/book/detail/888
Wikipedia: Giwi Margwelaschwili
https://de.wikipedia.org/wiki/Giwi_Margwelaschwili

Giwi Margwelaschwili, geb. 1927 in Berlin, lebt in Tiflis.

Helmuth Schönauer, 15-01-2017

Bibliographie
AutorIn: 
Giwi Margwelaschwili
Buchlangtitel: 
Die Medea von Kolchis in Kolchos
Erscheinungsort: 
Berlin
Verlag: 
Verbrecher Verlag
Seitenzahl: 
168
Preis in EUR: 
20,00
ISBN: 
978-3-95732-231-9

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