Kurt Vonnegut, Schlachthof 5

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„Ist der Roman gegen Krieg? - Warum nicht gegen Gletscher?“ Gute Romane stellen die entscheidenden Fragen zeitlos wie eben philosophische Grundhandgriffe wirken.

Kurt Vonnegut versteckt seinen Romantitel „Schlachthof 5“ in barocker Manier unter einem Absatz von Inhaltsangaben, Deutungsmöglichkeiten und anekdotischen Verankerungen in der Literaturgeschichte. Der Kern, nämlich Schlachthof 5, ist eine Adresse im Dresden des zweiten Weltkriegs, worin amerikanische Kriegsgefangene interniert sind und das Bombardement durch die eigenen Truppen erleben.

In einem Überbau erzählt jemand, der das Desaster von Dresden überlebt hat, dass er über diese Hölle beizeiten einen Roman schreiben wird. Das Trauma ist aber so groß, dass nichts daraus wird, gut fünftausend Seiten werden verworfen, ehe dann plötzlich etwas Roman-Artiges dasteht. Der Held Billy Pilgrim erlebt das Bombardement in einer Art Morphin-Rausch, jedes Zeitgefühl ist verlorengegangen, der Sachverhalt erinnert an den Kinderkreuzzug 1213, vielleicht ist dieser noch zu Gange, und wir befinden uns alle noch im Mittelalter.

Diese Zeitsprünge sind etwas ganz Normales, wenn man sich mit Sciencefiction beschäftigt. Der Held etwa ist gut mit Kilgore Trout befreundet, dem Urvieh der SF-Literatur, so dass es absolut normal ist, wenn er von einer Untertasse entführt wird. An Bord gibt es zwar ein paar Millionen Romane, diese sind aber als Mikrofisch in einer fremden Sprache gespeichert und erzählen von Milliarden Anekdoten, die zeitgleich miteinander vernetzt sind.

Die Spielregeln der Sciencefiction und jene des Weltkriegs laufen ähnlich absurd ab, so ist es beispielsweise möglich, das Bombardement als Zeitschleife zu erleben, die aus dem Kellerloch heraus an den Start der Bomberflotte zurückführt. Der Wechsel zwischen den Erlebniswelten und historischen Zeiteinheiten verläuft fließend und absatzlos.

Zwei Strukturelemente geben der fiktionalen Paste Halt. Zum einen die Beschwörungsformel „Wie das so ist“, die das Unwahrscheinliche als wahrscheinlich erklärt, und die Aufsplittung der Tatbestände in ihre Wahrnehmungspartikel. Hier lautet die Formel:

Der Augenblick war folgendermaßen zusammengesetzt. (38)

Jemand fragt einmal besorgt, ob das Ganze wahr sei. Es folgt eine der klügsten Antworten der Fiktionsgeschichte: Ei freilich, wenn es nicht wahr wäre, könnte man ja wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen als Betrüger verurteilt werden.

Es wimmelt nur so von postmodernen Fiktions-Trümmerln, die überall ausgestreut sind. Bei einem Flugzeugabsturz überlebt der Held, weil er schon beim Einsteigen gewusst hat, dass die Maschine abstürzen und er überleben wird. Er wird übrigens im sinnlosen Gelände von österreichischen Schilehrern gefunden, die als Clowns verkleidet sind und sich an den Leichen erfreuen, die sie retten können. Mittendrin wird der Sinn des Lebens auf einem Grabstein zusammengefasst:

Alles war schön und nichts hat weh getan. (139)

Ganz großes Kino, das in der Neuübersetzung wie frisch geschrieben wirkt, so aktuell hilft der Schlachthof 5 als Adresse für Wahnsinn.

Kurt Vonnegut, Schlachthof 5. Oder der Kinderkreuzzug - Ein Pflichttanz mit dem Tod. A. d. Amerikan. neu übersetzt von Gregor Hens [Orig.: Slaughterhouse-Five, New York 1969]
Hamburg: Hoffmann und Campe 2016, 236 Seiten, 24,00, ISBN 978-3-455-40555-2

 

Weiterführende Links:
Hoffmann und Campe Verlag:
Wikipedia: Kurt Vonnegut

 

Helmuth Schönauer, 11-07-2016

Bibliographie
AutorIn: 
Kurt Vonnegut
Buchlangtitel: 
Schlachthof 5. Oder der Kinderkreuzzug - Ein Pflichttanz mit dem Tod
Übersetzung: 
Gregor Hens
Originaltitel: 
Slaughterhouse-Five
Erscheinungsort: 
Hamburg
Verlag: 
Hoffmann und Campe
Seitenzahl: 
236
Preis in EUR: 
24,00
ISBN: 
978-3-455-40555-2
Kurzbiographie AutorIn: 

Kurt Vonnegut, geb. 1922 in Indianapolis, starb 2007 in New York.

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