Markus Köhle, Kuhu, Löwels, Mangoldhamster

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Wenn überall in den Labors Pflanzen, Tiere und Menschen zusammengeklont und genetisch umformatiert werden, dann braucht es wohl einen, der im Sprachlabor das passende Material herstellt. Diesen Teil hat der Sprachkünstler und -erfinder Markus Köhle übernommen.

Markus Köhle setzt aus bewährten Tiersilben neue Tiere zusammen und stellt sie wie einst Grzimek mit einer Fallgeschichte vor. Sabine Freitag zeichnet aus bewährten Tierkörperteilen neue Tiere, die im schlimmsten Fall fröhlich, aber nie monströs wirken.

Dem neuen zoologischen Universum ist das legendäre Fabeltier „Wolpertinger“ vorangestellt, „den zu fangen Leichtgläubige mit einem Sack und einer brennenden Kerze ausgeschickt werden“.

Die Sprachtiere sind offensichtlich saisonale Lebewesen, die sich jeweils an eine Lieblingsjahreszeit anlehnen. Typische Frühjahrstiere sind Kuhu, Kojotter und Eselaus, im Sommer schlüpfen Hahntilope, Mombanane und Reisbär, im Herbst reifen Zebrassel, Hyändl und Aalmeise heran, im Winter verstecken sich Schwanze, Murmelstier und Kobratte.

Manche dieser Gestalthybride sind klassische Kreuzungsprodukte von Tiergattungen, bei anderen wiederum hat die Nahrungsaufnahme so stark zugeschlagen, dass daraus der Vorder- oder Hinterteil eines Tieres geworden ist.
Was auf den ersten Blick als Spielerei angelegt ist, hat durchaus den ernsten Sinn, wenn es um das Zusammenzüchten produktiver Tier- und Pflanzensorten geht. Mman denke nur an die Wollmilchsau, die zuerst nur in Ansprachen bemüht und später den Worten nachgezüchtet worden ist.

Die neuen Sorten aus Tier- und Pflanzenelementen bestechen nicht nur als Wortschöpfung sondern auch in ihrer Anwendung. Den Animal-Brands ist nämlich eine schöne Geschichte beigelegt, die als Inhaltsverzeichnis, Beipackzettel oder Kochrezept gelesen werden kann. Den Wert des Tieres bestimmt seine Anwendung, könnte man mit Wittgenstein sagen.

Der Ribiselch ist Selbstversorger und ernährt sich ausschließlich von den Beeren, die auf seinem Geweih wachsen. Bei Revier- und Balzkämpfen muss er sehr vorsichtig sein, um nicht Ernteschäden zu erleiden, die Unterernährung zur Folge hätten. Die Zunge ist sein wichtigster Körperteil. […] (51)

Der Fenchelfant scheißt täglich einen Knoten. Ein Knoten entspricht einem Zehntel des Eigengewichts. Äße der Fenchelfant zehn Tage lang nichts, hätte er sich zu Nichts verschissen. (71)

Diese Kommentare erinnern durchaus an tief und tiefsinnig gesprochene Universum-Beiträge, wo dem farbenfrohen Tierreich heftig ausschlagende Modulationen pädagogisch fitter Fügungen unterlegt sind.

Im Anschluss an das bunte Spiel fabelhafter Kreationen ist das Quartett der Wolpertinger ausgelegt, das man nach den Kategorien Leistung, Geschwindigkeit oder Kuschelfaktor zusammenlegen kann. Ein Tier nach PS zu messen ist ja gar nicht so abwegig, wie es die moderne Maßeinheit Watt für Leistung suggeriert.

Das Register der Wolpertinger zeigt als Abspann, wie logisch verrückt die Kreation einer eigenen Begriffswelt ausfallen kann, wenn man die passenden Tiere zur Verfügung hat. Denn was es in der Sprache gibt, gibt es auch in Wirklichkeit, wissen wir wiederum von Wittgenstein.

Markus Köhle, Kuhu, Löwels, Mangoldhamster. Die Jahreszeiten der Wolpertinger, ill. v. Sabine Freitag
Wien: Sonderzahl 2015, 138 Seiten, 18,00, ISBN 978-3-85449-439-3

 

Weiterführende Links:
Sonderzahl Verlag: Markus Köhle, Kuhu, Löwels, Mangoldhamster
Wikipedia: Markus Köhle
Wolpetingerschnitzeljagd

 

Helmuth Schönauer, 05-04-2016

Bibliographie
AutorIn: 
Markus Köhle
Buchlangtitel: 
Kuhu, Löwels, Mangoldhamster. Die Jahreszeiten der Wolpertinger
Illustration: 
Sabine Freitag
Erscheinungsort: 
Wien
Verlag: 
Sonderzahl Verlag
Seitenzahl: 
138
Preis in EUR: 
18,00
ISBN: 
978-3-85449-439-3
Kurzbiographie AutorIn: 

Markus Köhle, geb. 1975 in Nassereith, lebt in Wien.

Sabine Freitag, geb. 1976 in Wien, lebt in Wien.

Volltextsuche:
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