René Freund, Niemand weiß, wie spät es ist

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Die Frage nach der Zeit gehört zu den gängigsten Anbahnungsfloskeln. Wenn jemand darauf keine Antwort weiß, liegt entweder ein Verständigungsproblem vor oder der Angefragte ist ein Philosoph.

René Freund hat sich für seinen Roman einen unsichtbaren, abgetretenen Helden ausgesucht. In Paris ist ein älterer Herr gestorben und macht mit seinem Testament von sich reden. Er verlangt nämlich, dass seine Tochter Nora mit ihm in der Urne noch ein paar Erledigungen macht, ehe das endgültige Erbe aufgemacht wird. Nora bekommt den Notariatsgehilfen Bernhard beigestellt und muss sich mit ihm als Zeugen auf die Urnen-Tour begeben.

Von Paris aus geht die Reise ins tiefste Österreich. Via Handy werden wie bei einer Schnitzeljagd immer wieder Videobotschaften des Verstorbenen angespielt, die auch rätselhaft das jeweils nächste Ziel angeben. Schauplätze sind wichtige Orte des Verstorbenen, etwa Heiligenkreuz, Mariazell oder das Tote Gebirge.

Mit jeder Videobotschaft kommen Nora und Bernhard dem Ziel näher, nämlich etwas vom Verstorbenen zu erfahren. Dieser jammert recht stimmungsgeladen aus dem Jenseits herüber, versucht sein Leben halbwegs zu ordnen und den Hinterbliebenen zumindest die Nachricht zu hinterlassen, dass er sich angestrengt hätte.

Gleichzeitig kommen sich die beiden Urnen-Reisenden näher, immerhin nächtigen sie immer enger in Zelt und Zimmer. Auch der zuerst abschnuppernde Vorsichtston geht allmählich in freche Gespräche über, wenn etwa Nora fragt, ob man als Veganer einen Blowjob machen könne, denn man hat dabei ja Fleisch im Mund. (96) Und auch die Urne macht sich immer wieder selbständig, wird im Bus vergessen, bleibt im Rucksack liegen oder erweckt argwöhnische Neugierde bei Passanten.

Als die Urnen-Truppe das tiefste Österreich erreicht hat, stellt sich allmählich ein höherer Sinn dieser Reise ein. Die verunglückte Frau des Verstorbenen ist noch immer nicht bestattet und gilt als verschollen in einer Gebirgsspalte des Toten Gebirges. Auch der Vater möchte hier versenkt werden, um in der Abgeschiedenheit neben seiner Frau Ruhe zu finden.

Und auch zwischen Nora und Bernhard tut sich noch so manche Überraschung auf, so ziellos sie scheinbar gesteuert worden sind, so logisch ist letztlich ihre gemeinsame Tour aufgebaut. Als alle Urnen am richtigen Platz verstaut und die Videobotschaften richtig sortiert sind, kann in Paris endlich das Erbe angetreten werden.

Niemand weiß, wie spät es ist, ist eine skurrile Tour durch die Vergangenheit eines Individualisten, aber auch eine durch das urnen-hafte Inner-Österreich. Tatsächlich weiß niemand genau, wieviel es dem Land geschlagen hat, aber der größte Teil Österreichs ist so angelegt, dass man jederzeit eine Urne darin anstellen kann.

René Freund, Niemand weiß, wie spät es ist. Roman
Wien: Deuticke Verlag 2016, 272 Seiten, 20,60 €, ISBN 978-3-552-06326-6

 

Weiterführende Links:
Deuticke Verlag: René Freund, Niemand weiß, wie spät es ist
Wikipedia: René Freund

 

Helmuth Schönauer, 30-11-2016

Bibliographie
AutorIn: 
René Freund
Buchlangtitel: 
Niemand weiß, wie spät es ist
Erscheinungsort: 
Wien
Verlag: 
Deuticke Verlag
Seitenzahl: 
272
Preis in EUR: 
20,60
ISBN: 
978-3-552-06326-6
Kurzbiographie AutorIn: 

René Freund, geb. 1967 in Wien, lebt in Grünau im Almtal.

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