Stefan Winterstein, Früher war mehr Rechtschreibung

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Menschen, die sich um Rechtschreibung kümmern, werden zwischendurch scheel angeschaut, weil sie entweder kleinkarierte Pipis oder heimliche Machtmenschen sind. Exzessives Rechtschreiben wird oft aus Gründen einer psychischen Störung bei sich selbst oder aus Disziplinierungsgründen bei anderen eingesetzt.

Stefan Winterstein stellt mit seinem Essay solchen landläufigen Meinungen Einiges an Ordnung und Aufklärung entgegen. Obwohl der Essay völlig freien Formen huldigen darf, teilt ihn der Autor klug in drei Kapitel ein und formuliert die Thesen mit der Präzision eines Wittgensteinschen Zählwerks. A erzählt alles Notwendige über die Rechtschreibung, in B werden psychologische Schrullen der Anwender bedacht, C berichtet von der schier unlösbaren Aufgabe eines Lektors, die Rechtschreibung in den Griff zu kriegen.

Dass früher mehr Rechtschreibung gewesen ist, erweist sich als subjektives Gefühl, mit den Zählmethoden von früher werden freilich gegenwärtig mehr Fehler gemacht, aber das ist ein Problem des Zählens. Anhand von Diktaten einen Text abzuüben ist nicht gerade zielführend, weil in der Praxis immer Fügungen zur Debatte stehen und nicht Fallen für den Schüler. Andererseits hat die Methode, zuerst einmal nach Gehör zu schreiben und dann rechtschreibig richtig, als fatal erwiesen, wer einmal Fata, Muta, Kint gelernt hat, wird das ein Leben lang nicht mehr los.

Das ist ja auch das Problem der sogenannten neuen Rechtschreibung, die zwanzig Jahre nach ihrer Einführung immer noch als neu empfunden wird: dass die Anwender sich hart tun beim Umlernen und so die Nerven wegschmeißen.

Tatsächlich ist die Rechtschreibreform unglücklich gelaufen, nach der Dudenschen Installation 1901 hat man 1996 so gut wie alles verändert, ehe man 2006 wieder zum Duden zurückgreifen musste. Hauptproblem: Die aufgeschriebene Sprache ist dermaßen in sich vernetzt, dass alles zusammenbricht, wenn man einen kleinen Ziegel des Gemäuers verändert.

Der Zeitpunkt ist auch ungünstig ausgefallen, in einem Anflug von Brüsselismus wollte man den ganzen deutschen Sprachraum glattbügeln, ohne zu bedenken, dass die deutsche Rechtschreibung vor allem ein piktogrammatisch gewachsenes Kulturgut ist. Während man im Französischen historisch schreibt, oder im Englischen auf kurze Partikel mit hohem Wiedererkennungseffekt abfährt, geht es im Deutschen vor allem um das Visualisieren der Begriffe. Zusammenschreiben oder Getrennt-Schreiben sind dabei das Hauptprobleme, die beinahe jeden Satz betreffen.

Mit der Radikalkur 1996 hat man gewissermaßen die Sprache bis ins letzte Partikel zertrümmert. Dazu sind noch die neuen Medien gekommen, gerade Email und Twitter hätten sich mit einer gefestigten Rechtschreibung leichter getan. Mittlerweile ist alles Wurst.

Nicht ganz meint der Autor, der dann als Lektor auftritt. Ein sogenannter Druckfehler, der von allen außer vom Drucker begangen wird, ärgert letztlich so viele Leser, dass es sich lohnt, ihn zu korrigieren. Und mit einem klugen Wortspiel und vielen angerissenen Fragen geht der Essay zu Ende. Die Leiden des Lektors: Überarbeitung! (C 21)

Stefan Winterstein ermuntert zu einer Rechtschreibung, die weder pipi noch psychopathisch auftritt. Für gewöhnlich wird es genügen, so lange am Text herumzudoktern, bis die roten Wellen des Rechtschreibprogramms verschwunden sind.

Stefan Winterstein, Früher war mehr Rechtschreibung. Essay
Innsbruck: Limbus Verlag 2016, 150 Seiten, 15,00 €, ISBN 978-3-99039-092-4

 

Weiterführende Links:
Limbus Verlag: Stefan Winterstein, Früher war mehr Rechtschreibung
Homepage: Stefan Winterstein

 

Helmuth Schönauer, 20-11-2016

Bibliographie
AutorIn: 
Stefan Winterstein
Buchlangtitel: 
Früher war mehr Rechtschreibung
Erscheinungsort: 
Innsbruck
Verlag: 
Limbus Verlag
Seitenzahl: 
150
Preis in EUR: 
15,00
ISBN: 
978-3-99039-092-4
Kurzbiographie AutorIn: 

Stefan Winterstein, geb. 1981 in Wien, lebt in Wien.

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