Vera Vieider, Leichtfüßig sein

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Leichtfüßig ist eine Lebenshaltung, die letztlich in alle Gegenden passt, es gibt sogar die Vorstellung, wonach etwas selbst leicht wird, wenn es leichtfüßig durchschritten wird.

Vera Vieider weitet den Begriff der Leichtfüßigkeit auf alle Sinnesorgane aus, ein Glas kann leicht werden, wenn man es in die Hand nimmt, die Bilder offen, wenn man das Augenlicht daraufsetzt, und selbst die Haut kann die Verhältnisse leicht machen, wenn die Berührung gelingt.

Der aktuelle Gedichtband geht diesem eigenartigen Zustand der Rezeption über drei Schnittflächen an: Oxydation | In Fristen | Gebettete Landschaft, was sich in etwa auf die Grundelemente Vorgang, Zeit und Ort bezieht.

Die Oxydation vollzieht sich ständig und wuchert aus den Elementen heraus, die sie malträtiert. Nicht nur das Eisen setzt sich den Rost an als Zeichen ewiger Veränderung, auch die Beziehungen oxydieren und sind nach einiger Zeit als solche kaum noch zu erkennen. Das lyrische Ich bittet den Geliebten, die Haut zu salzen mit dem Meer, das draußen rauscht. (7)

In der Abteilung der Fristen rutscht beispielsweise eine Randnotiz als Stille mitten in den Tag und wird zu einem Stehbild, beim Anstecken einer Zigarette glimmt ein Gedankengang davon und fällt auf eine Gehsteigkante, eine Haut reibt sich an der Hauswand und wird zur Erinnerung.

Die Überschriften, als Schlüsselwörter angelegt, springen davon, ehe sie das Gedicht mitziehen ins Offene, dabei Wortsprünge vollführen und dann irgendwo niedersinken zungenlos, schalenlos.

Allmählich neigen sich die Gedichte dem Herbst zu, den sie noch einmal leicht aufmischen mit erinnerungs-sachtem Material.

Nun // fällt Laub / und wir / sohlen / über Lichtflecken / kehren ein / zum Heimspiel / in uns (45)

Leichtfüßig bittet das lyrische ich das Gegenüber, von Dünen zu erzählen, Vögeln und dem Ankommen auf nasser Haut.

Langsam ist die Landschaft abgesunken auf den Grund und hat sich selbst eingebettet im eigenen Zerfall.

Spurenzerfall / Über dem Stadthimmel / birgt sich das Grau / auf den Dächern / prasselt der Regen // Wasser spült Wunden // ein Plätschern / ein Raunen / Spurenzerfall (81)

Vera Vieider greift auf fragile Bausteine zurück, die nur vorgeblich Halt geben. Immer wieder sind es die Dünen, die scheinbar verlässlich Zeit, Wind und Sand auftürmen zu einer Landschaft. Darin gibt es keinen festen Tritt, wer wieder herauskommen will, braucht einen leichten Fuß. Diese Bilder musst du überspringen, damit du nicht einsinkst.

Vera Vieider, Leichtfüßig sein. Gedichte
Innsbruck: Edition Laurin 2016, 88 Seiten, 14,90 €, ISBN 978-3-902866-44-8

 

Weiterführender Link:
Edition Laurin: Vera Vieider, Leichtfüßig sein
Lexikon Literatur in Tirol: Vera Vieider

 

Helmuth Schönauer, 28-09-2016

Bibliographie
AutorIn: 
Vera Vieider
Buchlangtitel: 
Leichtfüßig sein. Gedichte
Erscheinungsort: 
Innsbruck
Verlag: 
Edition Laurin
Seitenzahl: 
88
Preis in EUR: 
14,90
ISBN: 
978-3-902866-44-8
Kurzbiographie AutorIn: 

Vera Vieider, geb. 1988 in Meran, studierte in Innsbruck Pharmazie, lebt in München.

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