Kommentar: Ist es gleichgültig, was wir lesen?

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Wenn es stimmt, dass wir durch Lesen unser Denken schulen und unsere Sprachfähigkeit weiter bilden, kann es nicht gleichgültig sein, was wir lesen. Zeitungen z.B. haben die Aufgabe die Menschen von dem zu unterrichten, was in der Welt vorfällt. Wie aber in Zeitungen bisweilen geschrieben wird, lässt selbst Leserinnen und Leser die sich bemühen, den Sinn eines Satzes zu verstehen, an ihrer eigenen Muttersprache zweifeln.

Da werden den Lesern Sätze hingeworfen, die keinen Sinn ergeben, sodass sie gezwungen sind, sich die Information mühevoll selbst zusammen zu reimen. Manche Satzgebilde ergeben aber - trotz aller Mühe - weder in der Neuen noch in der Alten Rechtschreibung einen Sinn. Nach dem Motto: Humor ist, wenn man trotzdem lacht, sollen ein paar journalistische Kuriositäten zum Denken oder Lachen anregen. Gelesen wurden die Artikel in der neuen Tageszeitung Die Neue, die sich anschickt, eine neuen Sprache zu kreieren.

 

Oft ist das Denken schwer, indes,
das Schreiben geht auch ohne es.
Wilhelm Busch (1832-1908)

 

Der kleine "Innschwenker" oder "wie Einwendungen verpuffen"

Airport: Wien verlangt kleinen Inn-Schwenker
Der bejahende Bescheid für die Innverlegung beim Flughafen ist da, die Klarheit aber nicht. Hunderte von Einwendungen verpufften, Rolf Neidhart ließ sich nicht weich klopfen.
(Die Neue, 22.2.2005, S. 12)


Der Inn aus dem Weltraum betrachtet, noch vor dem "kleinen Schwenker".

 

Wenn sich da unsere Bundeshauptstadt nur nicht übernimmt. Der Inn - der fast zur Hälfte ein sturer Tiroler ist - wird seinen Cognak-Schwenker bestimmt nicht freiwillig hergeben. Oder soll der Inn vielleicht doch zu einem Schwenker seines grünen Schwanzes bewegt werden. Wie auch immer. Bei so viel Dreistigkeit überrascht es nicht mehr, dass der "bejahende Bescheid" selbst nach Innsbruck kommt, während sich die "Klarheit" erst gar nicht blicken lässt. Ob die "Hunderten von Einwendungen" ohne Ergebnis geblieben oder lediglich verdunstet sind, muss naturgemäß offen bleiben, solange sich ein Beamter aus dem Verkehrsministerium partout "nicht weich klopfen" lässt: Airport!

 

Ohrenverleih in Zirl an Ossis und Wessis?

Die ÖVP leiht Zirler Ossis und Wessis das Ohr
Von Zirler Ossis und Wessis wollen bürgerliche Politiker mehr wissen. Deshalb veranstaltet die ÖVP zwei Ortsteilgespräche. Das erste für Zirl-Ost gibt es am Donnerstag 20 Uhr im Schwarzen Adler, das zweite am 9.3., 20 Uhr, für Zirl-West im Goldenen Löwen
Die Neue, 22.2.2005, S. 12


Was ist in der Oberländer Gemeinde Zirl eigentlich los?

 

Sollten die "Ortsteilgespräche" für die "Zirler Ossis und Wessis" erfolgreich verlaufen, könnten sie durchaus auch für unsere "Deutschen Ossi und Wessis" als Modell dienen, um soziale Konflikte zu lösen. Nicht nur die "bürgerlichen Politiker" sondern auch wir Leser würden gerne mehr von den "Zirler Ossis und Wessis" wissen. Vermutlich sind es Politiker der anderer Parteien in Zirl die vehement bestreiten, dass es die Ortsteile "Zirl-Ost" und "Zirl-West" überhaupt gibt. Und auch Germanisten diskutieren immer noch über die rätselhaft Herkunft des Wortes "Ortsteilgespräche". Abschließend bleibt nur noch zu hoffen, dass die Veranstaltung ein Erfolg wird und bald Gespräche zum "Zirler Nord-Süd-Konflikt" begonnen werden können.

 

Ein "Mann für ähnliche Fälle"

IVB-Fahrgast ertappte Sittenstrolch
Eine Innsbrucker Straßenbahn wurde Sonntagmittag zur Bühne für einen Sittenstrolch. Eine Frau beobachtete einen Fahrgast, der sich selbst befriedigte. Der Schaffner griff ein und alarmierte die Polizei. Jetzt wird geprüft, ob der Mann für ähnliche Fälle in Frage kommt.
Die Neue, 22.2.2005, S. 10


Die Straßenbahn als Bühne.

Eine Straßenbahn wurde von einem Fahrgast als Bühne umfunktioniert. Mit gespielt haben: ein Sittenstrolch, eine Frau, ein tatkräftiger Schaffner und wie in jedem guten Kasperltheater durfte auch die Polizei nicht fehlen. Unklar bei der Geschichte bleibt lediglich: Wird jetzt geprüft, ob der Mann auch in anderen Verkehrmitteln eingesetzt werden kann?

 

Richtlinien für ein Karriere-Ende?

Leverkusens Abwehrchef Jens Nowotny hat sich in der Partie beim 1. FC Nürnberg einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. Dem Nationalspieler droht nun das Karriereende, da die Verletzung schon zum vierten Mal aufgetreten ist.
Die Neue, 22.2.2005, Sport S. 2

Müssen sich Sportler wirklich vom "Karriereende" bedrohen lassen? Vielleicht gibt es ja eine Richtlinie, die es verbietet, sich eine Verletzung mehr als viermal zuzuziehen. Aber gleich zu drohen, zeugt von schlechten Umgangsformen. Es bleibt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!

 

Kehrkommando verfehlt Putzplan

Hielt Kehrkommando Putzplan nicht ein?
Beim WM-Titel unserer Springer soll das deutsche Reinigungskommando nur bei den Landsleuten geschrubbt haben.
Die Neue, 22.2.2005, Sport S. 5


Das Reinigungskommando soll nur bei den Landsleuten geschrubbt haben.

 

Ein Putzplan wird üblicherweise erstellt, um eingehalten zu werden. Nicht so bei der Schisprung-Weltmeisterschaft. Hier wurde nur "bei den Landsleuten geschrubbt" oder doch "beim WM-Titel"? Das Modalverb "soll" erweckt wiederum den Eindruck, dass es sich bei der Geschichte auch um ein Gerücht handeln könnte. Bei so viel Unklarheit sollte der Wettbewerb am besten wiederholt werden. Na dann, Deutsches Reinigungskommando kehrt Marsch! Wir treffen uns wieder" beim WM-Titel"!

 

Neues Gespenst in Werkshalle entdeckt

Die Wege von Fiat und General Motors (GM) trennen sich. Bei der GM-Tochter Opel geistert das Gespenst von neuerlichem Jobverlust durch die Werkshallen. Um die 1000 Arbeitsplätze im Getriebebau sollen auf dem Prüfstand stehen.
Die Neue, 22.2.2005, S. 20


Das "Werkshallengespenst" in der Opel-Fabrik.

 

Was den Engländern der "Schlossgeist" ist den Deutschen das "Werkshallengespenst". Selbstverständlich ist es adelig und ein "von". In Österreich müsste es sich schlicht "neuerlicher Jobverlust" nennen. Beruhigend ist, dass bei Opel nicht nur die Getriebe sondern auch die Arbeitsplätze auf dem Prüfstand stehen.

 

Andreas Markt-Huter, 25-02-2005

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