Lesealter: 
6-8 Jahre

„Der Tag bricht an. Aufstehen! Zeit, zur Schule zu gehen! Auch für Stromer ist es Zeit zum Aufstehen. Die Decke ist klatschnass. Die Nacht war eisig. Stromer friert. Er hätte so gern einen Kaffee.“

Ein neuer Tag beginnt. Für ein kleines Mädchen und ihre Mutter ebenso wie für Stromer, den Obdachlosen, der seine Nächte im freien auf der Straße verbringen muss. Durchfroren und eingewickelt in eine feuchte Decke startet Stromer seinen Tag.

Statt eines wärmenden Kaffees versucht sich Stromer durch Bewegung die Kälte zu vertreiben. Nun meldet sich der Hunger, doch die Mülltonen haben wenig zu bieten. Immer noch müde von der kalten und feuchten Nacht legt er sich für ein Weilchen am Straßenrand hin und beobachtet die vorbeiziehenden Menschen und erinnert sich an die Zeit, als er noch ein Briefträger war und die Post ausgetragen hat.

Die Polizei reißt ihn aus seinen Träumen und fordert ihn auf zu verschwinden. Er versucht sein Glück im Einkaufszentrum, wo er sich aufwärmen könnte. Doch die Türen sind noch verschlossen. In der Wärmestube hofft er etwas zu Essen zu bekommen, doch bei der Ausgabe verlangen sie seinen Namen, an der er sich nicht mehr erinnern kann.

Er geht zurück auf die Straße und setzt sich in einen leeren Bus, wo er sich endlich aufwärmen kann und schläft dabei ein, bis die ersten Fahrgäste kommen und der Bus sich füllt.

„Mamaaa! Der Mann da stinkt!“

Stromer schämt sich, weil er von allen Leuten verächtlich betrachtet wird und ergreift rasch die Flucht. Als er in einem Park die Kinder sieht und ein Liebespaar auf der Bank fühlt er sich ganz allein. Bis plötzlich das kleine Mädchen vor ihm steht, das sich mit seiner Mutter auf den Weg in die Schule befindet, und ihm ihren Keks schenkt.

Claude K. und Sarah Dubois geben in ihrer Bilderbuchgeschichte Obdachlosen ein Gesicht und eine Geschichte. Sie richten ihren Blick auf die Menschen, von denen üblicherweise weggeschaut wird und geben ihnen damit ihre Identität wieder zurück, deren Leben wir verstehen und mit denen wir mitfühlen können.

Ein Buch mit hoher emotionaler Dichte, das zum Nachdenken und Diskutieren anregt und dazu auffordert die Welt und die Armut in der Welt mit neuen Augen zu betrachten. Die ausdruckstarken farbig unterlegten Kohlezeichnungen unterstreichen die Stimmung und das soziale Umfeld der Erzählung. Das überaus empfehlenswerte Kinderbuch hinterlässt nicht nur bei jungen Leserinnen und Lesern einen tiefen und nachhaltigen Eindruck.

Claude K. Dubois / Sarah V. Dubois, Stromer. Ill. v. Claude K. Dubois, übers. v. Tobias Scheffel [Orig. Titel: Bonhomme], ab 6 Jahren
Frankfurt a. Main: Moritz Verlag 2017, 72 Seiten, 13,40 €, ISBN 978-3-89565-342-1

 

Weiterführende Links:
Moritz Verlag: Claude K. Dubois / Sarah V. Dubois, Stromer [1]
Wikipedia: Claude K. Dubois [2]

Andreas Markt-Huter, 20-03-2018
Bild: Claude K. Dubois / Moritz Verlag [3]

Bibliographie
AutorIn: 
Claude K. Dubois / Sarah V. Dubois
Buchlangtitel: 
Stromer
Illustration: 
Claude K. Dubois
√úbersetzung: 
Tobias Scheffel
Originaltitel: 
Bonhomme
Altersangabe Verlag: 
6
Zielgruppe: 
Kinder
Erscheinungsort: 
Frankfurt a. Main
Verlag: 
Moritz Verlag
Seitenzahl: 
72
Preis in EUR: 
13,40
ISBN: 
978-3-89565-342-1
Kurzbiographie AutorIn: 

Claude K. Dubois wurde in Verviers (Belgien) geboren und unterrichtet Illustration an einer berühmten Kaderschmiede dieses Faches, dem Institut Saint-Luc in Lüttich/Liège/Luik, wo sie auch selbst studiert hat. Sie veröffentlichte mehr als 80 Bilderbücher.

Sarah V., geboren 1985 in Lüttich (Belgien), verspürte durch ihre Beschäftigung mit Wohnsitzlosen den Wunsch, auch Kindern diese Seite des Lebens näherzubringen.