Buch-Cover

Manchmal ist ein Buch so verdammt gut, dass es dich als Leser vor Staunen während der Lektüre aus den Hüften haut.

Christine Werners Novelle berichtet von kaputten Figuren, die dazu verdammt sind, Ehen einzugehen und aufzulösen. Dass sich diese Wahnsinnsstory als Novelle ausgibt, ist bereits der erste erzählerische Schachzug, denn es gibt zwar eine große Neuigkeit zu berichten, diese aber stammt aus der Hölle der Beziehungen.

Haupt-Verdammte ist Edith, eine emanzipierte Scheidungsanwältin, die zwar den Frauen zu ihrem Recht verhilft, diese aber verachtet, weil sie sich von Männern klein kriegen haben lassen. Allein schon das erste Auftreten der Anwältin in der eigenen Kanzlei, lässt nichts Gutes erwarten. Präpotent und maskulin fotzt sie ihre Angestellten durch die Kanzlei, verhöhnt diese und macht sich in bester Macho-Manier über sie her.

Kundinnen, die eine Scheidung beantragen, kriegen nicht nur juristisch ihr Fett ab, am schlimmsten schneiden jene ab, die es sich noch einmal überlegen, und die Scheidung zurückziehen.

Immer öfter treten schwarze Löcher auf und fallen über Edith her, eine formidable Psychokrise bahnt sich an. Zwischen Scheidung, Vergangenheit, Beziehung und Kanzlei lösen sich allmählich die Konturen auf. Völlig scheidungs-geeicht schafft es Edith nicht, ihre eigene Trennung hinzukriegen.

Da erwischt sie ihren Mann mit einer sogenannten Flitsche, wumms, brennen alle Sicherungen durch. Plötzlich gibt es bürgerliche Spielregeln, das Eigentum einer Beziehung steht im Mittelpunkt und auch die Beziehung selbst wird zum Eigentum, das man juristisch sauber scheiden muss. Die beste Scheidung besteht im Austausch der Personen, Edith lacht sich also einen Not-Mann an, der aber sinnigerweise die Eigenschaften des Erstmannes übernimmt.

Zu allem Unglück spurt auch der erwachsene Sohn nicht richtig, zwischen Drogen und Nirwana entschlüpft er jeglicher Kontrolle. Auch als Edith ins Nirwana, das im Süden Österreichs liegt, nach fährt, endet es in einer Katastrophe, denn im Quartier kreist bloß Tag und Nacht die Schnapsflasche.

Am Schluss bricht auch das Hirn entzwei, was eine professionelle Scheidung werden sollte, wird zum psychischen Desaster. Schizophrenie ist die saubere Auftrennung der Welt in zwei Teile.

Christine Werner erzählt fulminant, als Leser sitzt man in den Figuren und erlebt in Echtzeit den Zerfall der Welt. Die sogenannten Beziehungswerte zerfallen wie psychische Radikale in ihre Einzelteile. Die Erzählerin kennt kein Mitleid mit den Figuren, es geht zu wie bei einer echten Scheidung, alle müssen da durch!

Christine Werner, Verdammt. Eine Novelle.
Gosau: Arovell 2008. 168 Seiten. EUR 12,90. ISBN 978-3-902547-69-9.

 

Helmuth Schönauer, 23-09-2008 [1]

Bibliographie
AutorIn: 
Christine Werner
Buchlangtitel: 
Verdammt
Erscheinungsort: 
Gosau
Verlag: 
Arovell
Seitenzahl: 
168
Preis in EUR: 
EUR 12,90
ISBN: 
978-3-902547-69-9
Kurzbiographie AutorIn: 

Christine Werner, geb. 1954, lebt in Wien und in der Steiermark.